Daß es zu einer Sanierung der deutschen Währungsverhältnisse, verbunden mit einer Art Vermögensabgabe (speziell Wegsteuerung des seit 1939 eingetretenen „Zuwachses“) kommen müsse: darüber waren sich spätestens seit Kriegsende alle Einsichtigen im klaren. Wie das Sanierungswerk anzufassen sei, darüber gab es zunächst die verschiedensten Vorschläge; allmählich haben sich jedoch, aus dem halben Schock von Gutachten und Memoranden verhältnismäßig einheitliche Auffassungen herauskristallisiert. Und mehr noch als über die Methode waren sich die Fachleute darüber einig, daß die große Bereinigung erst dann kommen könne, wenn bestimmte sachliche Voraussetzungen politischer Art (einheitliche Verwaltung für die vier Zonen) und wirtschaftlicher Natur (ausreichende Kohlenversorgung, Anlaufen der Produktion) gegeben seien.

Das war der Standpunkt noch vor einem Vierteljahr. Als damals, zuerst an dieser Stelle, die entgegengesetzte Meinung ausgesprochen wurde – nämlich, daß einschneidende währungspolitische Maßnahmen die Voraussetzung für das Ingangkommen der Erzeugung seien, und nicht umgekehrt – gab es überall Kopfschütteln und Bedenken. Und als damals die schematische Steuererhebung dekretiert wurde, gab es sogar sogenannte Fachleute, die öffentlich die Meinung vertraten, daß diese Maßnahme ausreichend sei, um den „Geldüberhang“ einzuschmelzen, dessen Beseitigung (nach allgemeinem Urteil) den Beginn jeder Währungsreform bedeuten muß.

Es genügt, ein paar Berichte aus den letzten Wochen zu zitieren, um darzutun, daß sich die Auffassung seitdem völlig gewandelt hat. Der Ministerpräsident von Großhessen, Prof. Dr. Geiler, hat, offensichtlich hoch erfreut über diesen Fortschritt, dem Landesausschuß mitgeteilt, daß „in nicht allzu ferner Zeit“ eine Währungsreform von Berlin aus in gemeinsamer Arbeit aller Besatzungsmächte dekretiert werden wird. Der Länderrat in Stuttgart hat in einer Resolution die Reform als vordringlich, bezeichnet und „Sofortmaßnahmen“ hierfür gefordert. Die Finanzminister der süddeutschen Länder, die Industrie- und Handelskammer Essen, die Wirtschaftskammern und Gewerkschaften Großhessens: alle diese Persönlichkeiten und Organisationen fordern jetzt baldige Maßnahmen auf dem Währungsgebiet; zugleich wenden sie sich, gegen die unhaltbare These, daß der Kaufkraftüberhang durch Steuern beseitigt werden könne, und gegen die naive Auffassung, daß es der fleißigen Verwaltungsarbeit der Preisbildungsstellen gelingen könne, dem Schwarzen Markt mit der Preisüberwachung „den Garaus zu machen“.

Es will also niemand mehr, außer den am heutigen Zustand Interessierten (und außer einigen Unbelehrbaren) auf die „Wirtschaftsbelebung“ und auf andere wirtschaftliche und politische Voraussetzungen warten; die Währungsreform, beginnend mit dem Einschmelzen des Kaufkraftüberhanges, wird also doch jetzt allgemein als eine der wesentlichen Voraussetzungen für das Anlaufen der Produktion und für eine fühlbare Beschränkung der Schwarzmarkt- und Tauschhandelsgeschäfte angesehen. Wir begrüßen das, und wir hoffen, daß die zuständigen Stellen beim Kontrollrat zu einer Lösung kommen, bei der jene hervorragend konstruktiven Ideen, die in dem (hier mehrfach kurz gestreiften) Währungsplan eines Bankfachmannes enthalten, sind, mit berücksichtigt werden. Schließlich erhoffen wir eine Regelung, die alle Großverdiener des Schwarzen Marktes mit radikaler Schärfe trifft, und bei der die Schiebergewinne aus der „Arbeit“ des letzten Jahres nun tatsächlich „weggesteuert“ also konfisziert werden. E. T.