Von Ludwig Börne

Ludwig Börne, der leidenschaftliche, unbestechlich scharfsinnige, ewig rastlose und aufrührerische Mann, Kämpfer für Demokratie, Pressefreiheit und ehrliche Verständigung mit Frankreich, hat uns in seinen Schriften Erkenntnisse hinterlassen, die manches Schlaglicht noch auf diese unsere Gegenwart werfen.

Die Vorsehung ist auch weltklug und heult mit den Wölfen, wie der schlaueste Mensch. Sobald aber ihr Wille reif geworden, wirft sie die Maske ab.

Die Fürsten hätten sich und ihren Völkern viel Unglück ersparen können, wenn sie die Hofnarren nicht abgeschafft hätten. Seit die Wahrheit nicht mehr sprechen darf, handelt sie.

Sie haben keine Pressefreiheit, weil sie glauben, der Wind drehe sich nach der Wetterfahne. Man kann verhindern, daß Völker lernen, aber verlernen macht man sie nichts.

Kanonen- und Flintenkugeln sind oft Fleckkugeln zum Reinigen der beschmutzten Welt.

Das Volk hat nur immer da die Freiheit mißbraucht, wo es sie sich genommen, nicht da, wo man sie ihm gegeben. So wird der lange Zeit Gefangene, der durch eigene Kraft seinen finsteren Kerker durchbricht, von dem plötzlich eindringenden Sonnenlicht geblendet, er taumelt und weiß nicht, was er tut; dem sich aber das Gefängnis freiwillig und gemach auftut, der verläßt es dankerfüllt und geht froh und besonnen nach Hause.