Wochenlang waren die Aktienmärkte von der Flaute der Schwerindustriegruppe (Stichwort: Ruhrdiskussion) überschattet worden, bis am vorletzten Wochenende eine kräftige Erholung den lange erwarteten Umschwung zu bringen schien. Doch die Kursentwicklung der folgenden Börsentage hat diese Hoffnung nicht bestätigt: die Schlußkurse der letzten Woche liegen durchweg noch unter den Ausgangskursen vor vierzehn Tagen. Für den neuen Rückschlag scheint weniger das Mißtrauen gegen bestimmte Aktiengruppen als vielmehr ein allgemeiner Pessimismus verantwortlich zu sein; dafür zeugt die verhältnismäßig einheitliche Entwicklung der Aktienkurse. Die betonte Vernachlässigung der Ruhrwerke hat aufgehört.

Die Kurskurven der beiden letzten Börsenwochen verlaufen einander recht ähnlich: vom Wochenbeginn an ein langsamer Kursabbau, der um die Wochenmitte seinen Tiefpunkt erreicht; dann zum Wochenende eine Erholung, die allerdings in der letzten Woche schwächer war als in der voraufgegangenen.

Die Kuskurven einiger führender Papiere bestätigen die Pendelausschläge: Vereinigte Stahlwerke notierten. 82–83 1/2 –78; AEG 88 1/2 bis 91 1/2 –86 1/2 Siemens 102-105–99. Flacher verlief die Kurskurve für BMW mit 81–85–82. Scheringaktien konnten den Kursgewinn der Vorwoche fast behaupten Die Scheringwerke werden als ein für die Friedeisproduktion wichtiges Unternehmen im allgemeinen günstig beurteilt, doch liegt auch ihr Kurs mit 30 v. H. um nahezu 50 v. H. unter dem alten Stoppkurs. Der Höchstkurs nach Kriegsende lautete 179 v. H.

Vor wenigen Tagen wurde gemeldet, daß alle Betriebe der Mannesmannröhrenwerke wieder arbeiten und – abgesehen vom Mangel an Arbeitskräften – gute Produktionsaussichten bestünden. Die sonstige Suggestivkraft der Presse- und Rundfunkmeldungen bewährte sich diesmal zunächst nicht: die Mannesmann-Aktie fiel bis auf 112 v.H. (nach 130-125) weiter zurück. Erst in den letzten Tagen konnte sie aufholen, ohne indes den Ausgangskurs wiederzugewinnen. Sie steht jetzt 120 v. H.

Etwas stabiler als bisher zeigte sich der Bankenmarkt. Die drei Filialgroßbanken halten weiter Kurse um 70 v. H. Reichsbankanteile fielen vorübergehen! auf 85 v. H. zurück und notieren jetzt 89. Unter den übrigen Bankwerten sind die Kurse der Berliner Handelsgesellschaft mit 65, der Deutschen Centralbodenkreditanstalt mit 70 v. H. (die Pfandbriefe des gleichen Instituts stehen 65 v. H.) und der Norddeutschen Kreditbank mit 110 v. H. erwähnenswert.

Auf dem Rentenmarkt haben sich Pfandbriefe der westlichen Zonen weiterhin gut behauptet. In Hamburg hatten sich – im Gegensatz zu Süddeutschland – auch Ostpfandbriefe wochenlang stabil gehalten. Jetzt bröckeln auch hier die Kurse langsam ab: eine Folge des starken Angebots aus dem Osten. Hamburgs Beliebtheit für die Realisierung der in anderen Zonen eingefrorenen Wertpapierkapitalien ist nicht immer von Vorteil für das hiesige Börsengeschäft!

Ein günstiges Resultat der beiden letzten Börsenwochen ist eine Belebung der Umsätze. Trotzdem gehen die Gesamtumsätze an den deutschen Börsen über 3 1/2 bis 4 Mill. RM je Woche noch nicht wieder hinaus: eine Summe, die noch vor wenigen Monaten von Hamburg allein erreicht wurde. jetzt konnte Hamburg an einzelnen Tagen wieder Umsätze über 700 000 RM melden. Seine Gesamtumsätze seit der Wiedereröffnung der Börse im Juli vorigen Jahres haben 150 Mill. RM überschritten. N–ck