Zwischen dem nordamerikanischen Außenminister Byrnes und dem sowjetischen Außenkommissar Molotow hat sich ein geistiges Duell entwickelt. Sein Hintergrund ist die Enttäuschung Amerikas und der angelsächsischen Welt an der durch unüberbrückbare Gegensätze zur Unfruchtbarkeit verurteilten Pariser Außenministerkonferenz. Die Spannung zwischen europäischen Nöten und Erwartungen auf der einen, dem Versagen der beratenden Staatsmänner auf der andern Seite erscheint nicht länger tragbar. Die Vereinigten Staaten haben sich daher entschlossen, diesem Versagen Fristen zu setzen. Es sei denn, die Außenminister einigen sich in der neuen Konferenz am 15. Juni und bringen am 12. November auch eine Friedenskonferenz für Deutschland zustande, oder die USA werden diesen Friedensschluß der UNO zuweisen. Hiergegen wendet sich nun Molotow in einer Pressekonferenz. Er erblickt in der Anrufung der UNO einen „Versuch, Methoden des Druckes, der Drohung und der Einschüchterung zu benutzen“. Er erblickt weiterhin in diesen Vorschlag „den Wunsch, zu Methoden in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion und andern Ländern Zuflucht zu nehmen, die den normalen Beziehungen zwischen Staaten widersprechenDiese Argumentation überrascht uns, denn niemand anders als die UNO erscheint in unserer heutigen Weltorganisation geeigneter, als Schutz gegenüber den „Methoden des Druckes, der Drohung und der Einschüchterung“ dienen zu können und vor allem den Schutz der kleineren Mächte gegenüber einem Diktat der Großmächte übernehmen zu können.

Dem Angriff Molotows, der sich vor allem auch gegen einen neuen Imperialismus der „Marine- und Luftbasen in allen Teilen der Erde, im Pazifik und in Island, in den Gebieten der westlichen und der östliche! Hemisphäre“ wendet, waren die Vorwürfe vorausgegangen, die Staatssekretär Byrnes in seiner Rundfunkansprache an die sowjetische Adresse gerichtet hatte. Wenn man diese Vorwürfe in einen Satz zusammenfassen will, so gipfelten sie in der Feststellung, daß es in Paris wie in der Zonenpolitik in Deutschland immer die Sowjetunion gewesen sei, an deren Widerstand jede konstruktive Lösung gescheitert ist. In der Reparationsfrage für Italien habe die Sowjetunion beispielsweise einige der in alliierter Hand befindlicher Kriegsschiffe gefordert, sich jedoch gleichzeitig geweigert, diese Schiffe auf Reparationen anzurechnen, sondern, sie „als Kriegsbeute“ bezeichnet. Byrnes erklärte, ihm sei nicht bekannt, daß jemals die Sowjetunion ihrerseits den andern Alliierten Anteile an ihrer „Kriegsbeute“ gegeben habe. Schon diese Beute-Psychologie, laßt den ganzen Gegensatz erkennen, der zwischen dem sowjetischen Denken und dem der westlichen Demokratien besteht. Er enthält eine weitere Illustration, wenn Molotow in der wiederholt auch von der Sowjetunion geförderten UNO nunmehr eine Institution erblickt, deren Anrufung und Einschaltung den „normalen Beziehungen zwischen Staaten widerspricht“. Sieht Moskau in der „UNO“ nur eine Art politischer Feuerwehr, die für die „normalen Beziehungen“ der Staaten nicht in Frage kommt?

Der britische Standpunkt wird durch den Verlauf der Empire-Konferenz genügend verdeutlicht, die sich rückhaltlos für Unterstützung der UNO ausgesprochen und auch für eine Wahrung der deutschen Reichseinheit eingesetzt hat. Gleichzeitig mehren sich britische Stimmen, daß man angesichts der katastrophalen Entwicklung des Zonenwesens in Deutschland bald vor einer deutlichen Alternative stehen werde. Entweder nämlich werde man nunmehr bald zu den Lösungen gelangen, die bisher zu erreichen nicht möglich war, oder man werde sich entschließen müssen, als „zweitbeste Lösung“ wenigstens den Zusammenschluß der englischen, amerikanischen und französischen Zone zu vollziehen, um die Lebensfähigkeit der restlichen Teile des Reiches zu stärken. Auch für diese Preisgabe der ursprünglichen Potsdamer Konzeption der Reichseinheit wird die sowjetische Haltung verantwortlich gemacht. v. De.