Wir verraten kein Geheimnis, wenn wir die einfache Tatsache feststellen, daß die Hamburger Staatlichen Schauspielbühnen ohne endgültige Leitung sind. Wir haben an anderer Stelle bezeugt, daß trotzdem schöne und dankenswerte Aufführungen zustande kommen können, doch alle am Theater interessierten Kreise – nicht nur in Hamburg – sehen diesen Zustand mit steigender Sorge. Diese Stadt hat nicht eigenem Verdienst, sondern nur dem Zufall des Krieges, der ihren Kern verhältnismäßig heil ließ, die Tatsache zu verdanken, dat viele Schaffende aus dem deutschen Kulturleben heute zu ihr hindrängen; diese Stadt muß nun endlich einmal lernen, daß darin eine Verpflichtung liegt, die sie für Deutschland trägt. So darf sie sich nicht wundern, daß man in ganz Deutschland mit Erstaunen und bitterer Enttäuschung zu erkennen glaubt, daß sie offenbar nicht gewillt ist, diese Verpflichtung ernst zu neimen, sondern immer noch kleinstädtischen Clquen den Vorrang bei wichtigen Entscheidungen läft. Denn wie anders soll man das erklären, daß von zweifellos eigennütziger, aber offenbar einflußreicher Seite hartnackig gegen den Mann gehetzt wird, der an erster Stelle ein Anrecht hat, darum gebeten zu werden – flehentlich gebeten zu werden –, er möge nach Hamburg zurückkehren, dessen Ruf als Theaterstadt von ihm allein fünfzehn Jahre hindurch abhing: Erich Siegel, Man hat Gerüchte in Umlauf gesetzt, er wolle nicht zurückkehren, er sei müde und alt, ausgebrannt, krank und unlustig, und jetzt kommt aus Wien zu uns die Nachricht von einer großartigen Aufführung von Steinbecks Stück „Der Mond geht unter“, die er inszeniert, von einer Rolle, die er herzerschütternd gespielt hat. Das ganze Lügengewebe zerreißt Und jetzt fragen wir: Will man noch länger fortfahren, mittelmäßige Kräfte in der ganzen Welt auszugraben und in Vorschlag zu bringen, um die Friedhofsstille des Hamburger Theaterlebens weiter zu bewahren, oder wird man sich endlich bequemen, Erich Ziegel zu bitten, nach Hamburg zurückzukehren? Wir wissen sehr wohl, daß die amtlichen Stellen arglistig getäuscht worden sind. Wir glauben, es bedarf nur dieses Hinweises, damit sie unsere Forderungen unterstützen.