Von Wilhelm Petersen. Vorsitzender des Deutschen Metallarbeiterverbandes Hamburg

Sehr große Teile der Kreise, die als Hersteller oder Vierteiler der Bedarfsartikel und Lebensbedürfnisse die eine Hälfte der Wirtschaft darstellen, sind sich darüber einig, daß in einem so außerordentlich verarmten Land-, wie es unsere deutsche Heimat nun einmal geworden ist, nur eine Bedarfswirtschaft zu führen ist; das heißt also, daß nur hergestellt wird, was vom andern Teil der Wirtschaft, dem Verbraucher, unbedingt benötigt wird.

Eigentümlich ist, daß diese Einsicht aber sofort zurückschreckt, wenn das Wort: gelenkte Wirtschaft ausgesprochen oder ausgeschrieben: will Das kommt zweifellos daher, weil dieser an sich einsichtige Teil der Wirtschaftsteilnehmer sich unter gelenkte Wirtschaft nur eine staatliche Regulierung mit ihren bürokratischen Schwächen und Engpässen vorstellen kann, ohne daran zu denken, daß eine Lenkung der Wirtschaft durch Selbstverwaltungskörperschaften nicht nur möglich, sondern auch notwendig und zweckdienlich ist.

Diese Selbstverwaltungskörperschaften hätten also die Aufgabe, die Herstellung dem wirklichen Bedarf ohne jede Fehlanwendung der sehr knappen Materialien anzupassen. Es muß unmöglich sein, Gegenstände herzustellen, die infolge ihrer Augenfälligkeit gekauft werden, ohne jemals jemand andern Nutzen zu bringen als dem Fabrikanten und dem Händler. Hierzu gehören alle die Dinge, die eine sogenannte Patentlösung darstellen sollen. Beispielsweise die unendlich, vielen Systeme von Rasierklingenschärfern. Keiner dieser Apparate hat einen anderen Erfolg gehabt als den, nach, mehr oder weniger geduldiger Erprobung in die Ecke zu wandern Neben einer unnützen Geldausgabe Materialverlust, den wir uns heute keinesfalls mehr gestatten dürfen. Völlig unwirtschaftlich ist die Herstellung all der Gegenstände, die zurzeit als Erzeugnisse des Kunstgewerbes angeboten werden. Dabei handelt es sich nicht um Erzeugnisse von Kunsthandwerkern, sondern um Dinge, die völlig schablonenhaft als Massenartikel hergestellt werden und nichts anderes sind als eine Spekulation auf den Trieb des Menschen, doch dann und wann irgendwie, einmal Geld ausgeben zu wollen.

Darum muß eine solche: Selbstverwaltungskörperschaft zusammengesetzt sein zu gleichen Teilen aus den Vertretern der Handels-, Industrie- oder Gewerbekammern einerseits, als Beauftragten der Hersteller und Verteiler, und Vertretern der Gewerkschaften anderseits, als Beauftragten der Verbraucher. Wenn beispielsweise das alte Betriebsrätegesetz vorsah, daß der Betriebsrat gemeinsam mit dem Arbeitgeber um die Wirtschaftlichkeit des Betriebes bemüht sein muß, so kann, dieser unterste Zug der Wirtschaftsdemokratie nur Sinn haben, wenn eine folgerichtige Auswirkung und: Ausweitung nach oben vollzogen wird; Durch gemeinsame gleichberechtigte Arbeit nur können wir aus dem wirtschaftlichen Durcheinander herauskommen, das uns dieser ungeheuer schadensreiche Krieg gebracht hat. Nur durch solche gemeinsame Arbeit kann jede schlechte Absicht auf die Geldmittel anderer von vornherein ausgeschaltet werden. Mit einer solchen Lenkung der Wirtschaft muß keineswegs eine Lahmlegung des Unternehmergeistes verbunden, sein; im Gegenteil, die wahre Organisationsgabe wird sich gerade darin äußern, daß sie in einem abgesteckten Aufgabengebiet alle Probleme restlos löst. jedes gehört vor allen Dingen die Vermeidung jedes wirtschaftlichen Leerlaufes.

Die Erfahrungen, die die Industrie bis 1933 mit ihren Betriebsräten gemacht hat, lassen es ohnehin tunlich erscheinen, die Ansichten auch des einfachen Mannes, in Wirtschaftstagen zu hören und gegebenenfalls zu verwerten. Es dürfte zweckmäßig sein, daß Handel und Industrie sich auch einmal nach, den Forderungen, der Verbraucher richten und diese nicht immer zwingen, das zu kaufen, was Spekulationsgeist ungehindert auf den Markt wirft. Mit dem Festhalten an jahrhundertealter Tradition und an der geschichtlichen Entwicklung der einzelnen Handels- und Industriezweige läßt sich in Deutschland keine für die Volkswirtschaft zweckmäßige und vor allen Dingen, nützliche Wirtschaftspolitik treiben. Die Suche nach neuen Wegen zur Belebung der Wirtschaft darf nicht den Fabrikanten und Aufgabe allein überlassen bleiben. Dies ist eine Aufgabe des ganzen Volkes: und nicht Angelegenaus der Teile der Bevölkerung, die nicht immer aus eigener Kraft, sondern vielfach durch Erbschaft Betriebsinhaber geworden sind. Diese Kreise sind es vorwiegend, die in dem Willen der Gewerkschaften und Genossenschaften zur Verteilung an der Lenkung der Herstellung und Verteilung von Bedarfsgütern nichts anderes sehen, als einen revolutionären Einbrach, in ihre altererbten Rechte,

Es ist nicht Absicht der Arbeiterschaft, lediglich Privilegien anzugreifen und zu beseitigen, sondern es kommt einzig und allein darauf an, auf engstem Raum das zu erarbeiten, was das deutsche Volk zur Erhaltung seines materiellen und kulturellen Lebens braucht.