Auf dem Eßtisch des Wirtshauses steht die Hülse eines 2-cm-Flak-Geschosses. Der Gast greift danach und streut sich Salz über das Steckrübenmus. Ein durchlöcherter Deckel statt des Stahlmantelgeschosses, Salz statt Pulver, Mars hat seine Rechte an die Penaten: abtreten müssen.

Ob die Ritterfrauen nach der Schlacht an der Unstrut die Lanzen ihrer heimkehrenden Gatten auch als Wäschestangen benutzt haben oder die Morgensterne der Schweizer nach dem Sieg bei Murten als Fleischhammer bei der Zubereitung eines mürben Ochsenlendenstückes gebraucht wurden? Die Chronisten berichten aber auch gar nichts davon, daß die Ritterfrauen den heimkehrenden Reitern die Helme vom Kopfe nahmen, um diese danach als Kochtopf über den Herd zu hängen. Heute werden Stahlhelme zu Töpfen umgeschmiedet, und viele Hausfrauen könnten das Gemeinschaftsessen oder die Fleischbrühe nicht abholen ohne das Kochgeschirr des entlassenen Heimkehrers,

Dennoch ist es ein eigenes Gefühl, den Salzstreuer mit kriegerischer Hülse in die Hand zu nehmen. Der Gast begreift wörtlich, daß der Krieg ein Ende genommen hat. Sollte man nicht so mit allen Restbeständen des Krieges verfahren, den Formen andere Deckel und Inhalte geben? Nicht nur den materiellen. Etwa unserer Lebensform, die nach einem laut gepriesenen Satz ausschließlich soldatisch sein sollte. Wie armselig wären wir mit einer, nur "dieser" Lebensform! Oder den anderen Waffen der Kriegsreklame, dem Haß gegen Nachbarn, dem Dünkel, mehr zu sein und zu leisten als die Anrainer. Wollen wir in diese Geschoßhülsen nicht lieber Ansprüche und Rechte füllen, die sich zunächst an uns selbst wenden? Wir brauchen auch darin viel neues Hausgerät, der Krieg hat uns total getroffen. Haß, Irrtum und Fanatismus lassen sich in Achtung, Einsicht und Toleranz wandeln, wie die Geschoßhülse zum Salzstreuer. W. H.