Der große Bergarbeiterstreik in den USA ist am 42. Tag unterbrochen worden. Mit dem 13. Mai haben die 400 000 Streikenden fast überall die Arbeit wiederaufgenommen – zunächst bis zum 25. Mai. Danach ist der "Waffenstillstand" durch ein Übereinkommen zwischen den Gewerkschaften und dem Kohlenbergbau um weitere 14 Tage, also bis Pfingsten, verlängert worden.

Da die Folgen des Kohlenmangels die gesamte Industrien den Verkehr und die Versorgungsbetriebe schwer in Mitleidenschaft gezogen hatten – 1,3 Mill. Arbeiter mußten entlassen werden (fast die gesamte Autoproduktion ist stillgelegt), der Zugverkehr und die Elektrizitätsversorgung eingeschränkt werden –, hatte Truman bereits vorher, am 22. Mai, die Übernahme sämtlicher Kohlengruben durch den Staat verfügt.

Inzwischen waren am 23. Mai rund 250 000 Eisenbahner neu in den Streik getreten. Sie forderten erhebliche Lohnerhöhungen; das von Truman vorgeschlagene Kompromiß, die Stundenlöhne um 18,5 Cents heraufzusetzen, ist von den Gewerkschaften abgelehnt worden.

Die USA-Regierung erklärte, unter Übernahme der Eisenbahnen auf den Staat, daß sie Truppen zum Betrieb der Bahnen einsetzen werde, wenn die Arbeitsaufnahme bis zum Wochenende nicht erfolgt sei. In letzter Minute gaben nun die Gewerkschaften die Parole zur Arbeitsaufnahme aus.

Unter dem Eindruck dieser Geschehnisse, die – wenn der Streik weitergegangen wäre – die USA verhindert haben würden, ihre Zusagen auf Weizenlieferungen für die Hungergebiete der Welt zu erfüllen, hat das Repräsentantenhaus eine Vorlage angenommen, die den Präsidenten entschuldigt, bei Streiks, die "gegen die Regierung" gerichtet sind, den nationalen Notstand zu erklären und die Streikaktionen für ungesetzlich zu erklären.