In Berliner Blättern findet man jetzt Inserate, wonach eine 4 v. H. Anleihe im Nennbetrage von 60 Mill. RM der Provinz Mark Brandenburg von 1946 zur Zeichnung aufgelgt wird. Der Zeichnungspreis stellt sich auf 100 v. H. zuzüglich Stückzinsen ab 1. Juni 1946 und Börsenumsatzsteuer; die Laufzeit beträgt zehn Jahre mit der Maßgabe, daß die Rückzahlung durch Auslosung zum Nennwert im 6. bis 10. Jahre der Laufzeit erfolgt.

Soweit wären die Anleihebedingungen nicht außergewöhnlich – es sei denn, man werfe die Frage auf, warum die Provinzialverwaltung nicht einen langfristigen Direktkredit bei der Provinzialbank aufnimmt, die wie alle anderen Provinzial- und Landesbanken in der russischen Zone sehr flüssig ist und ihre Einlagen im wesentlichen nur durch das Halten von Notenbeständen zu decken vermag. Auch der Anleihezweck selber, der als zur "Förderung des Wiederaufbaus" dienend bezeichnet wird, böte nicht zu besonderen Bemerkungen Anlaß, wenn freilich auch mit einer so allgemein gehaltenen Zweckbestimmung nichts über die späteren Rückzahlungsmöglichkeiten durch die Schuldnerin gesagt ist. In der Zeichnungsaufforderung heißt es aber dann weiter:

"Alle Geld- und Kreditinstitute in der Provinz Mark Brandenburg sind verpflichtet, die Anleihe jederzeit zu 100 v. H. abzüglich 1 v. H. für Unkosten zurückzukaufen. Kursverluste sind daher ausgeschlossen!"

Ein namentlich nicht bezeichneter Kreis von Geldanstalten wird also hier durch den Hoheitsträger (die Aufsichtsbehörde) zu einer Kursgarantie von 99 v. H. für diese Anleihe verpflichtet: ohne daß eine Verpflichtungserklärung der beteiligten Geldinstitute gegenüber den späteren Anleihegläubigern vorliegt. Man wird auch annehmen dürfen, daß sich diese Verpflichtung von vornherein auf alle Geldinstitute erstreckt, die von jetzt ab in der Provinz Mark Brandenburg entstehen sollten. Materiell ist die Angelegenheit zurzeit völlig harmlos, da die Provinzialbank allein stark genug sein dürfte, um auch die ganze Anleihe ohne Beeinträchtigung ihrer Liquidität aufzunehmen. Man kann sogar annehmen, daß ihr zunächst an solchen Angeboten gelegen ist, und es wäre überdies möglich, daß der garantierte Kurs von 99 v. H. nur die untere Grenze für einen Handel darstellt und daß sich ein eventueller Besitzwechsel angesichts der verhältnismäßig hohen Verzinsung von 4 v. H. auf einer darüber liegenden Kursgrundlage vollziehen wird. Was geschieht aber, wenn sich die Verhältnisse einmal ändern, wenn einmal die Kassenhaltung der Garantiebanken nicht so sein sollte, daß ihnen größere Anleiheaufnahmen zu Stützungszwecken zuzumuten sind? Die Verpflichtungserklärung, die "Kursverluste ausschließen" soll, ist auch nicht unwiderruflich gestellt – so daß es durchaus im Bereich der Möglichkeit läge, daß eine spätere Provinzialvevrwaltung die Geldinstitute von der ihnen jetzt übertragenen Verpflichtung entbindet.

Solche Kursgarantien sind, wie sich in der Vergangenheit nur zu oft gezeigt hat, recht gefährlich, und vermögen den Anleihezeichner nicht unter allen Umständen des Risikos zu entheben, das schlechthin mit einer Wertpapieranlage verbunden ist. Es ist bezeichnend, daß sich solche Anleihen trotz des bestehenden Geldüberhanges offenbar nicht auflegen lassen, ohne daß man sie mit besonderen Vorrechten ausstattet, wie dies jüngst auch mit einer sächsischen Anleihe (durch weitgehende Befreiung von laufenden Steuern) geschehen ist. Bei der vorliegenden Anleihe geschieht dies freilich nicht; dafür ersieht man aus der Zeichnungsaufforderung, daß die Börsenumsatzsteuer – trotz vorangegangener Kontroversen’ – in der Provinz Mark Brandenburg wieder als eingeführt angesehen werden muß. H. R.