Gedrängte Darstellung eines Wahrungs- und Finanzplanes

Fast alle Währungspläne gehen davon aus, daß die "Einschmelzung" des sogenannten Kaufkraftüberhanges vordringlich ist, während die endgültige Sanierung der schwebenden Reichsschulden ohne weiteres vertagt werden kann und aus Zweckmäßigkeitsgründen auch vertagt werden sollte. Der an dieser Stelle schon mehrfach erwähnte Sanierungsvorschlag, den wir einfachheitshalber als "Plan K" bezeichnen wollen, bringt die grundsätzlich neue Variante, daß 75 bis 80 v. H. der Bank- und Sparguthaben – entsprechend der Durchschnittsquote des Besitzes aller Kreditinstitute an Reichstiteln – in Kriegsschuldzertifikate, also neue Reichswerte, umgetauscht werden sollen.

Ebenso wären auch die "neuen" Konten zu behandeln, die aus der Einzahlung der umlaufenden Noten (einschließlich der Mil.-Gov.-Scheine) entstehen. Der nach der Zwangskonsolidierung der schwebenden Reichsschuld auf den neuen und alten Konten verbleibende Restbetrag, der also 20 bis 35 v. H. des Bank-, Bar- und Spargeldes ausmacht, soll in bestimmten Beträgen ("je Kopf") frei verfüglich sein – nach Ausgabe neuer Noten, Scheidemünzen, Briefmarken usw. – und im übrigen gewissen Auszahlungsbeschränkungen unterliegen. Dabei wäre sicherzustellen, daß die Finanzämter einen Einblick in die nun, nach Verschwinden der Brieftaschen- und Sparstrumpf-"Tresors", offenliegenden Besitzverhältnisse erhalten, damit die Wegsteuerung des Kriegszuwachses, die Ausschaltung der "Kapitalisten" des Schwarzen Marktes und die Erfassung von bei der Steuererklärung verschwiegenen Beträgen alsbald beginnen kann.

Die Zwangskonsolidierung der schwebenden Reichsschuld über das Bank-, Spar- und Bargeld toter Festlegen von etwa drei Viertel der bisher vorhandenen Beträge ist dem Sinne nach ein "Nachholen der Kriegsfinanzierung", der Sache nach, da die Zertifikate nicht als Zahlungsmittel zu verwenden sind (notfalls wären sie vorübergehend ins Sammeldepot einzusperren), ein Zurückschneiden der Kaufkraft Daß die Zertifikate nicht verzinst werden – ebensowenig etwa wie Kriegsschädenforderungen –, ist ohne weiteres klar. Dennoch sind sie nicht "wertlos". Der Plan K will ihnen vielmehr durch verschiedene Maßnahmen, unter denen die wichtigste die ist, daß die Zertifikate später zum vollen Nennwert bei der Zahlung der Vermögensabgabe angenommen werden, einen gewissen "Markt" eröffnen und ihren Kurs derart stützen. Die Zertifikate sollen, um im Börsenjargon zu sprechen, ein Papier sein, in dem "Phantasie" liegt. Nach der Vermögensabgabe, deren Sinn es ist, einen erheblichen Teil der heute in Form von Bankgeld und Noten vorhandenen schwebenden Reichsschuld, durch Einreichen und Vernichten der Zertifikate, zum Verschwinden zu bringen – und nicht etwa der Reichskasse neue Mittel zuzuführen! – ist an eine regelrechte Auslosungstilgung eines Teils der Schuld und später an eine Aufnahme des Zinsendienstes zu denken. Für bestimmte Gläubigerkategorien, wie etwa die Lebensversicherungen, ist eine Vorzugsbehandlung ohne weiteres durchführbar; auch kann für notleidende Kleinbesitzer eine Lombardmöglichkeit eröffnet werden.

Technisch ist die Zwangskonsolidierung so durchzuführen, daß die Banken und Sparkassen ihre eigenen Bestände an Reichsschuldtiteln gegen die neuen Zertifikate umtauschen und mit diesen zur vorgesehenen Quote (75 oder 80 v. H.) ihre Kreditoren auszahlen. Institute, die einen geringeren Teil ihrer Kreditoren, als die Durchschnittsquote ausmacht, in alten Reichstiteln angelegt haben, müßten bei "überdurchschnittlich" versehenen Bankinstituten die erforderlichen Zertifikate (etwa über eine Clearing-Stelle) einkaufen. Nach dieser Transaktion wären die Banken und Sparkassen, bei einem radikal geschrumpften Bilanzvolumen, praktisch frei von Reichsschuldtiteln; anderseits wären sie aber auch überliquide und hätten keine tragfähige Rentabilitätsgrundlage.

Um hier zu helfen, schlägt der Plan K vor, daß die Reichsbank gegen Hergabe entsprechender Eigenbestände an alten Reichstiteln von der Reichsschuldenverwaltung neue – verzinsliche – Reichstitel erhält, die sie an die Banken ausgibt, damit diese einen Teil ihrer (nunmehr etwa die Hälfte der Anlagen ausmachenden) Reichsbankgiroguthaben zinsbringend anlegen können. Dem Reichshaushalt fließen damit keine neuen Mittel zu. Seine Belastung aus den laufenden Zinsen (2 1/2 v. H. für schätzungsweise 15 Milliarden, gleich 325 Mill. RM jährlich) erscheint angesichts der Vorteile dieser Konstruktion vertretbar: der Status der Reichsbank wie die Bilanzstruktur der Banken und Sparkassen wäre nach dieser Finanzoperation sozusagen "mit einem Schlage" normalisiert, und Zinszahlungen für angelegte Gelder zu "normalen". Sätzen würden das Sparen wieder anregen, d. h. der Tatsache, daß wir effektiv unter einem hochgradigen Kapitalmangel leiden, wäre nach einer Zeit des – scheinbaren! – Geldüberflusses wieder einigermaßen Rechnung getragen. Es ist geradezu eine Lösung à la Kolumbus, die der Plan K auf diesem Teilgebiet der Währungssanierung gibt.

Besonders wertvoll ist, daß die Konstruktion eine umfangreiche Kreditaktion zugunsten der "Wirtschaft" ebenso vermeidbar erscheinen läßt, wie eine "großzügige" Sozialhilfe zugunsten der Arbeitsunfähigen und Arbeitslosen, wie sie bei der – in anderen Plänen vorgesehenen – Radikallösung einer völligen Einsperrung des Kaufkraftüberhanges unvermeidbar wäre. – Für eine knappbemessene Übergangszeit wäre zweckmäßig noch das "alte" Geld für die Rückzahlung kurzfristiger Schulden (insbesondere von Steuerschulden) unter Einschaltung entsprechender Kautelen zuzulassen