Der von der amerikanischen Himmelsforschung seit langem vorbereitete Versuch, ein alle bisherigen Fernrohre der Welt weit übertreffendes Riesenfernrohr aufzustellen, ist verwirklicht. Über 850 Tonnen beträgt das Gesamtgewicht des Riesenteleskops. Der Guß des im Durchschnitt fünf Meter betragenden Spiegels wurde infolge der plastischen Eigenschaften schwerer Glasmassen als Zellengebilde durchgeführt. Dann mußten nicht weniger als 2000 Kilogramm Glas aus dem Guß durch einen entsprechenden Schleifvorgang herausgearbeitet werden. Das hierzu benutzte Pyrexglas hat den Vorteil, sich bei Temperaturveränderungen weit weniger als gewöhnliches Glas auszudehnen.

Nachdem den Corning-Werken in Neuyork die ersten Gußversuche mit Spiegeln noch kleineren Ausmaßes gelungen waren, erforderte insbesondere die langsame Kühlung des Großspiegels eine Fülle von denkbar schwierig herzustellenden Hilfsmitteln der Technik. Da als Aufstellungsort von vornherein das bergige Hochplateau von San Diego in Kalifornien. den günstigen klimatischen Verhältnissen zufolge, ausersehen, mußte die gegossene Spiegelscheibe eine Reise durch die USA bis Pasadena, unweit San Diego, überstehen. Hier erst sollte der äußerste Vorsicht und viel Zeitdauer erfordernde Schliff vonstatten gehen. Ein nur bei Tage mit geringer Geschwindigkeit gefahrener Sonderzug ließ die Überführung gut gelingen. Die riesige, in ein Stahlgestell verpackte Spiegelscheibe selbst war einem eigens konstruierten Wagen anvertraut worden.

Rund 400 000mal so lichtstark wie das unbewaffnete Menschenauge ist der gewaltige Sehapparat. Der Spiegel vermag so viel Licht zu sammeln, daß achtmal so viele Sterne als bisher der Untersuchung erschlossen sind. Betrug nach der Schätzung des Amerikaners Scares die Zahl der gerade noch erkennbaren Sterne rund 890 Millionen, so liegt dieser Grenzwert nunmehr bei nahezu 7 Milliarden!

Ungeheuerlich ist dieser Fernblick ins All, der es zum mindesten gestattet, stichprobenweise dem Geheimnis der Spiralnebel als fernen Milchstraßen? welten näherzukommen, sie gegebenenfalls in Einzelsterne aufzulösen und ihre Physik zu studieren. Der Welt der kosmischen Nebel, der neuen und veränderlichen Sterne sind neuartige Erkenntnisse abzulesen. Auch die Doppelsteinforschung erfährt eine Bereicherung ihres bisherigen Erfahrungsschatzes. Es handelt sich hierbei um die Natur von Doppelsonnen, die um einen gemeinsamen Schwerpunkt kreisen und deren genauere Durchforschung Zweifelsfragen nach der Sternentstehung und Sternentwicklung klären hilft. H. W. B.