Von Hans Werner Block

Müde liegt "Oranje 9" der Reederei Braunkohle an den Drähten, die sich zum Hafen Wesseling spannen. Müde ist auch die Besatzung, die die ganze Nacht am Transportband geschuftet hat, auf dem Tonne um Tonne Briketts in den Bauch des Schleppkahns rutschte. Die Last soll rheinaufwärts in die amerikanische Zone verfrachtet werden. Trotz Schwerarbeiterzulage ist die Nachtarbeit für die beiden Matrosen und den Schiffsjungen mehr als anstrengend gewesen. Schifferarbeit ist anstrengende "Knochenarbeit".

Es ist Mittag vorüber, als der Strang vom Schlepper herübergeworfen wird, der als viertes Schiff die "Oranje 9" übernimmt.

Auf dem Schlepper scheppert die Glocke. Der Schiffer nimmt die blaue Mütze ab und murmelt: "In Gottes Namen", wie es sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater taten und wie es auch seine Söhne halten werden, die als Matrosen hier arbeiten und ihm nun "Gute Fahrt" antworten. Regen klatscht an die Fenster des Steuerstuhls. Die Schaufelräder des Schleppers – der in der Schiffersprache "die" Boot heißt – wühlen im Wasser. Der Schleppzug setzt sich in Bewegung. Es sind vier Kähne, die hinter "der Boot" stromaufwärts fahren. Zwei kommen von der Ruhr mit Fein- und Steinkohle, während die beiden andern Briketts in Wesseling geladen haben. Die mächtigen Kräne und Verladeeinrichtungen des Braunkohlensyndikats verschwimmen im Regenschleier.

Schwerfällig zieht der Schleppzug seine Bahn gegen den Strom. Grünes Weideland am Ufer, dann und wann kleine Rheindörfchen, behäbig in die Ebene gelagert. Von den Schrecken des Krieges sind sie fast unberührt geblieben. Ein Motorkahn, der eilig stromabwärts fährt, am Bug die französische Trikolore und am Heck das weiße Kreuz der Eidgenossen, ist das einzige Schiff, das auf der ganzen Strecke bis Bonn vorübergleitet Er gehört zu den von Frankreich gecharterten schweizerischen Motorschiffen, die verwendet werden, Getreide und Lebensmittel von der Rheinmündung nach Straßburg zu bringen.

Der Regen hat jetzt nachgelassen, und aus dem Dunst erheben sich die Umrisse der "Sieben Berge", während sich der Schleppzug Bonn nähert. Ruinen über Ruinen am selben Ufer, das früher als schönste Rheinpromenade weltberühmt war.

Die Brücken