Als Inselgruppe, die strategisch den Persischen Golf beherrscht, war Bahrein lange Zeit ein Streitpunkt der Türken mit den angrenzenden Stämmen, dann der Spielball der Interessen Persiens und Saudi-Arabiens. Der Einfluß der Türkei ging mit dem ersten Weltkrieg verloren. Saudi-Arabien schied aus, als es sich mit England im Vertrag von Dscheddah im Jahre 1927 dahingehend einigte, daß die Bahrein-Inseln aus dem Staat Ibn Sauds herausgelöst wurden, um unter einem eingeborenen Stammesfürsten in ein eigenes Bündnis- und Abhängigkeitsverhältnis zu Großbritannien zu treten. Der Anspruch Irans wurde durch Freigabe der Inseln Basidu und Bendschan, die bisher englische Stützpunkte waren, getilgt.

Seither beherrscht Britannien politisch die acht Inseln, auf denen 120 000 Menschen wohnen. Es ist dort ein Landeplatz der Fluglinie London–Indien errichtet worden. Die wirtschaftliche Erschließung haben allerdings USA-Gesellschaften übernommen. Das Öl begründet das Interesse der Großmächte an Bahrein. Bereits früh wußten die Westmächte den Wert des Erdöls zu schätzen. Bekannt ist das Wort eines englischen Staatsmannes, daß England den Krieg 1914-1918 auf "einer Welle von Öl" gewonnen habe. Wie wir wissen, hat im zweiten Weltenbrand diese "wave of oil" wiederum entscheidend den Ausgang des Krieges beeinflußt.

Die Befürchtung, daß die Erde in absehbarer Zeit kein Öl mehr hergebe, wird heute weniger ernst genommen. Kurz vor und während des zweiten Weltkrieges wurden viele neue Quellen entdeckt, die noch der Ausbeutung harren. Die Geologen stimmen weiterhin darin überein, daß an verschiedensten Plätzen der Erde nach wissenschaftlichem Ermessen noch genug Erdöl zu finden sein wird. Die für Ölfunde in Betracht kommenden Felder liegen aber verkehrstechnisch ungünstig. Eine Erforschung wird daher so lange nicht stattfinden, als die vorhandenen Quellen in ihrer Förderkapazität nicht nachlassen und daher wirtschaftlicher in der Ausbeutung sind. Der Gewinn entscheidet noch immer in der nüchternen Rechnung des Kaufmanns. Auch die Voraussagen der Fachwelt, daß die ergiebigsten Felder, die der USA, bald versiegen sollten, hat keine Bestätigung gefunden. Die Termine werden immer weiter hinausgeschoben. Die USA fördern noch heute mit 231 Mill. t Erdöl (1945) mehr als zwei Drittel der Weltproduktion, aber der Verbrauch ist im Lande der vollständigen Motorisierung so stark, daß es gezwungen ist, noch Öl zu importieren. Es sucht in der Welt nach Konzessionen, um auf eigene Rechnung die benötigten Mengen zu beschaffen. Großbritannien dagegen kontrolliert die größten Erdölreserven der Erde. So ist es verständlich, wenn Mr. Ickes klagt, die USA würden zu einer Umstellung ihrer Lebensweise gezwungen, wenn ihnen die Erdölreserven verschlossen blieben.

In Bahrein ist es den Vereinigten Staaten gelungen, im Vorderen Orient, dem politischen Machtbereich Englands, festen Fuß zu fassen: Die englischen Bohrungen im Jahre 1927 blieben erfolglos. Daher verlor die Anglo-Iranian Oil Co. das Interesse an der Erschließung der einsamen Inseln und verkaufte ihre Konzessionen und Aktienpakete an die Standard Oil Co. of California (CAL), die sich mit der Texas Oil (TEX) zur CALTEX verband. 1931 war die Bohrung von Holms von Erfolg begleitet. Schnell wurden die ölhöffigen Gebiete ausgebaut und das aus der Erde sprudelnde Öl am Platze verarbeitet. Zwei Raffinerien in Rastanoorah auf Sitral, die 12 Millionen Dollar kosteten, sorgten für die Wirtschaftlichkeit der Unternehmung, so daß 1938 bereits 8 Millionen Dollar Reingewinn erzielt wurden. 1939 rangierte die Inselgruppe an dreizehnter Stelle der Weltförderung mit einer Quote von 1 Million t, die fast ausschließlich in Australien abgesetzt wurden. Während des Krieges hat die Zusammenarbeit der Nordamerikaner und Briten im Vorderen Orient Anlaß zu Gerüchten über beide Nationen gegeben. Die Erklärungen von nordamerikanischen Senatoren, die den Orient besuchten, wurden entstellend wiedergegeben. In Wirklichkeit sind noch heute die leitenden Angestellten der amerikanischen Gesellschaften auf Bahrein zu 70 v. H. Engländer, und noch immer arbeitet das Kapital der CALTEX.

Im Verlauf des Krieges war Bahrein nie militärisch bedroht. In Ruhe konnte stetig die Produktion gesteigert werden. Auf Sitral, in Abadan (Irak) und in Curaçao wurde das Flugbenzin der Westmächte raffiniert. Die Förderungen auf den Inseln erreichte 1945 fast 2 Millionen t. Weitere Quellen – auf Bahrein selbst, in Saudi-Arabien und Hadramaut – blieben unausgenutzt, da es im Kriege nicht möglich war, sie auszubeuten. Die Alliierten steigerten, um ihren erhöhten Verbrauch zu decken, die Förderung in den ausgebauten Lagern. Das Anlaufen rentabler Produktion im Bereich neuer Funde dauert zwei bis drei Jahre und beansprucht Bohrmaterial, das im Kriege für andere Verwendung benötigt wurde.

Die Friedenswirtschaft wird den vorderasiatischen Raum mit seinen nicht voll ausgenutzten Ölfeldern aus der Reserve heraustreten lassen und der Welt noch manche Überraschung bieten. Iran, Irak, Bahrein, Saudi-Arabien, Hadramaut, El Kuweit und Ägypten werden in das weltwirtschaftliche Interesse rücken. Die günstige Lage an den Luftverkehrswegen der "Imperial Airways", die Europa mit dem Fernen Osten und Australien verbinden, bezieht die entlegenen Lande, in denen der Mueddin die Gläubigen zum Gebet ruft, in den großen Strom der Weltwirtschaft ein und hilft damit, sie der Welt erschließen. N.