Für die Tschechoslowakei mit ihrer hochentwickelten Industrie- und Agrarproduktion und ihren starken Exportinteressen, die wiederum auf die Zufuhr überseeischer Rohstoffe angewiesen sind, hat die Elbe (mit der bis Prag kanalisierten Moldau) eine besondere Bedeutung als billige und devisensparende Zufahrtstraße zum Seehafen. In der Förderung der tschechoslowakischen Elbeschiffahrt nach 1919 bis 1938 fand dies seinen sichtbaren Ausdruck. Auch heute verfügt die Tschechoslowakische Elbeschiffahrtsgesellschaft über einen guten und ausreichenden Schiffsbestand und kann sich, wie in der Vorkriegszeit, auf das im Hamburger Freihafen (Saalehafen, Moldauhäfen) liegende Pachtgelände stützen. Wenn die überseeischen Zufuhren für die Tschechoslowakei im letzten Halbjahr andere Beförderungswege suchen mußten, so ist dies auf gewisse sich aus der Zonenabgrenzung ergebende Schwierigkeiten zurückzuführen, die nunmehr wohl überwunden sind.

Nachdem die am 25. April von Tetschen kommenden ersten 6 Eilmotorschiffe mit den hier geladenen UNRRA-Gütern (Jute, Kautschuk, Rohphosphate) ohne Behinderung in die Tschechoslowakei zurückgekehrt waren, sind Anfang Mai in Hamburg weitere 26 Leerschiffe der Tschechoslowakischen Elbeschiffahrtsgesellschaft eingetroffen. Auch diese Schiffe (6’ Tanker, 2 Motorschlepper, 3 Eildampfer und 15 Schleppkähne) gehen mit UNRRA-Gütern nach der Tschechoslowakei zurück. An eine Wiederaufnahme des fahrplanmäßigen Verkehrs zwischen Hamburg und tschechoslowakischen Elbestationen (und Prag) kann zunächst noch nicht gedacht werden, doch rechnet die Hamburger Niederlassung der Elbeschiffahrtsgesellschaft mit laufenden weiteren Transporten.

Sie werden freilich weit geringer sein als in der Vorkriegszeit. 1937 trafen aus der Tschechoslowakei in Hamburg 2010 Schiffe mit zusammen 1 523 Tonnen Tragfähigkeit ein, darunter 1975 beladen. Im gleichen Jahr gingen von Hamburg 14 37 Schiffe mir 1 035 474 Tonnen Tragfähigkeit ab. von denen 1349 beladen waren. Im tschechoslowakischen Import über die Elbe waren die wichtigsten Güter: Getreide, Fette, Öle und Harze sowie Ölsaaten und Ölfrüchte, Erze und andere Rohstoffe für schwere und chemische Industrie, Gerbstoffe und Häute, Textilrohstoffe sowie verschiedene Kolonialwaren. Im Export kamen hauptsächlich Zucker, Kohle, Getreide (vorwiegend Gerste), Holz, Glas und Glaswaren, verschiedene Eisenprodukte, Zellulose und Malz zur Verschiffung.

Zurzeit weist der Elbeverkehr Hamburg–Tschechoslowakei nur Transporte in dieser einen Richtung auf, während die Beförderung von Ausfuhrgütern aus der Tschechoslowakei über Hamburg noch aussteht. Vorbereitende Maßnahmen für die Wiederaufnahme eines begrenzten tschechoslowakischen Exportes nach Übersee über Hamburg laufen an.

Zwischen der russischen Besatzungszone Deutschlands und der Tschechoslowakei laufen seit längerem Transporte, vornehmlich Salztransporte von Schonebeck (Elbe), auf die die tschechoslowakische Industrie angewiesen ist. Ein Elbeverkehr zwischen der russischen und der britischen Besatzungszone ist bisher noch nicht im Gange. Während in Hamburg 1937 rund 16 000 Binnenschiffe aus den heute russisch-besetzten und den von Polen verwalteten deutschen Gebieten eingetroffen waren, liegt dieser Verkehr heute noch völlig still. D. P–n.