Bevin hat in seiner großen Unterhausrede vom 4. Juni erklärt: "ich bin zu der Entscheidung gekommen. daß Deutschland die Produktion von 11 Mill. t Stahl jährlich gestattet werden sollte." – Nach dem Industrie-Abrüstungsplan sollte die deutsche Kapazität auf 7,5 Mill. t (effektive Erzeugung 1936: 19,2 Mill. t) gebracht werden, mit der Maßgabe, daß die Produktion zunächst höchstens 5,8 Mill. t betragen dürfe.

Der USA-Marineminister hat Freiwillige aus dem ehemaligen Marinepersonal aufgerufen, die für den Fall des Seemannsstreiks als Hilfsbesatzungen auf die Schiffe gehen sollen. Die Gewerkschaften wollen am 15. Juni den Streik beginnen; sie fordern neben einer Lohnerhöhung die Einführung der 40-Stunden-Woche. Von den Gewerkschaften wird angenommen, daß die Hafenarbeiter in den wichtigsten Ländern sich mit den Streikenden solidarisch erklären und das Löschen von Schiffen, die durch "Freiwillige" bemannt sind, verweigern werden. – Der Streik auf den großen kanadischen Seen hat sich verschärft. Die Seeleute fordern den 8-Stunden-Tag an Stelle der 12-Stunden-Wache.

700 000 britische Bergarbeiter sollen die 5-Tage-Woche bewilligt erhalten, nachdem die Gewerkschaftsführer die Garantie gegeben haben, daß die Erzeugung nicht absinkt. Der britische Brennstoffminister erwartet, daß die Arbeitskürzung den Bergmannsberuf wieder attraktiv für den Nachwuchs macht. Die Gewerkschaften fordern u. a. noch, daß das Akkordsystem abgeschafft wird und daß – unentgeltliche Badegelegenheiten für die Zechenarbeiter in allen Betrieben eingeführt werden.

Nach der Aussiedlung von 3 Mill. Deutschen und Ungarn will die Tschechoslowakei die Rücksiedlung von Tschechen und Slowaken aus Rumänien und Nord- und Südamerika betreiben.

Von russischer Seite wurde in den Handelsbesprechungen mit Argentinien vorgeschlagen, 10 000 Traktoren, 10 000 Lastkraftwagen und 2000 Flugzeugmotoren nach Südamerika zu liefern und russische wie auch deutsche Techniker und Chemiker nach Argentinien zu entsenden. – Die Ukraine verlangt von der UNRRA bis zur nächsten Frühjahrsbestellung die Lieferung von 1600 Traktoren und sonstigen landwirtschaftlichen Maschinen im Gesamtwert von etwa 190 Mill. Dollar.

Die tägliche Förderung an Steinkohle in der britischen Zone betrug in der letzten Woche 167 700 t, verglichen mit 168 900 und 169 300 t in den beiden Vorwochen. Die Koksproduktion ist mit 20 900 t täglich im Mai auf derselben Höhe wie im April geblieben. Die Haldenbestände haben sich von 2,8 Mill. t im März auf 2,3 Mill. t im April verringert und sind auch im Mai entsprechend Zurückgegangen.

Der britische Brennstoffminister Shinwell erklärte nach einem Besuch im Ruhrgebiet, er müsse feststellen, daß der britische Bergbau viel vom deutschen zu lernen habe – aber auch Deutschland könne von England lernen.