Es ist wohl eine Selbstverständlichkeit, daß die Hauseigentümer der Häuser zu den Kosten des Wiederaufbaues der zerstörten Städte in starkem Maße beizutragen haben, die nicht oder nur wenig beschädigt sind. Der Kostenbeitrag wird entweder durch eine Abgabe in bar zu leisten sein oder, falls dies nicht möglich ist, durch Aufnahme einer Hypothek auf die Grundstücke entweder vor allen andern Belastungen oder an bereitester Stelle. Auf welche Weise die Sanierung der Währung und die Beseitigung des Kaufkraftüberhanges erfolgen wird, steht noch aus. Feststehen wird jedoch, daß dann die Geldflüssigkeit fortfallen und es schwer sein wird, daß sich die Hauseigentümer den Gegenwert der einzutragenden Hypotheken auf dem Geldmarkt oder bei den Sparkassen beschaffen können.

Besitzer mehrerer Häuser werden wohl oder übel gezwungen sein, eins der Häuser zur Zahlung der mit Sicherheit zu erwartenden Vermögensabgabe zu verkaufen. Es werden dann aber nur sehr wenig Leute da sein, die in der Lage sein werden, sich bei der dann zum Vorschein tretenden allgemeinen Verarmung ein größeres Mietshaus als Kapitalanlage kaufen zu können. Die Beschaffung von Hypotheken durch die Geldinstitute wird nicht möglich sein, da der größte Teil der Reserven der Geldinstitute in Schatzanweisungen angelegt ist.

Es muß ein Weg gefunden werden, um den dann noch vorhandenen Besitzern von verhältnismäßig kleinen Kapitalien dazu zu verhelfen, Grundbesitz zu erwerben und damit die Finanzierung des Wiederaufbaus zu sichern. Dieses könnte im Wege des Erwerbs einer Wohnung oder einer Etage erfolgen. Voraussetzung hierfür ist die Schaffung von Stockwerkseigentum.

Das Stockwerkseigentum selbst ist durch das BGB abgeschafft worden, mit Ausnahme bereits bestehenden Stockwerkseigentums in Süddeutschland. Nach dem ersten Weltkrieg hat in den westlichen Ländern die Schaffung von Stockwerkseigentum großen Umfang angenommen, indem man vom Bau der bis dahin üblichen Reihenhäuser abgegangen ist und für diejenigen Leute, die aus irgendeinem Grund keine Villa oder Eigenheim haben wollten, größere Häuserkomplexe (Buildings) errichtete, die von den Erstellern stockwerks- bzw. wohnungsweise verkauft wurden. Das Stockwerkseigentum ist nicht unbeliebt und hat sich bewährt. Es ist zwar nicht zu verkennen, daß beim Stockwerkseigentum manche Nachteile in Kauf genommen werden müssen, z. B. das gemeinsame Eigentum am Dach, an Treppenräumen, an Heizanlagen, die sich insbesondere bei vorkommenden Reparaturen bemerkbar machen. Jedoch können diese Schwierigkeiten durch eine geeignete gesetzliche Regelung oder durch die Verkaufsbedingungen mehr oder weniger beseitigt werden. In Belgien ist z.B. die Minderheit der Wohnungseigentümer verpflichtet, sich an den Kosten der Reparaturen zu beteiligen, falls die Mehrheit dieses wünscht. Ein Wohnungsinhaber ist Verwalter des Hauses und hat mit den übrigen Wohnungsinhabern die Verhandlungen für Reparaturen und deren Vergabe zu pflegen.

Auf diese Weise wird es auch möglich sein, zahlreiche im Gemeindeeigentum stehende Wohnungen an die bisherigen Mieter zu verkaufen und dadurch Geld für den Wiederaufbau flüssig zu machen. Ein großer Teil der nach 1918 errichteten Wohnungen befindet sich am Rande der Großstädte und ist nicht in dem Umfang zerstört worden wie die Stadtzentren.

In Deutschland ist die Schaffung von Stockwerkseigentum schon nach dem vorigen Kriege akut gewesen. Man hat damals bereits angestrebt, Stockwerkseigentum zu schaffen, um die Neubauten leichter finanzieren zu können. Man hat aber die Schaffung von Stockwerkseigentum abgelehnt und den Weg der Finanzierung des Neubaues von Wohnungen auf genossenschaftlicher Grundlage unter Eintragung eines dinglichen Wohnungsrechts beschritten und auf diesem Wege gute Erfolge mit der Schaffung von Wohnraum gehabt.

Jetzt liegen die Verhältnisse aber anders. Es gilt nicht nur neue Wohnungen zu schaffen, sondern die zerstörten Häuser wieder aufzubauen. Es muß jedes Mittel ausgeschöpft werden, um die Besitzer von noch so kleinen Kapitalien zu veranlassen, das Geld für den Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Angesichts einer zweimaligen Inflation im Verlaufe von 25 Jahren und der Ungewißheit, in welcher Weise bei der Währungsreform den Inhabern von Sparkonten das Sparguthaben gesichert bleibt, ist zweifellos das Vertrauen der Sparer zu einer nur darlehensweisen Hergabe von Geld erschüttert. Viele Leute werden nur dann ihr Geld für Wiederaufbauzwecke hergeben, wenn sie unmittelbares Eigentum erhalten, und dies kann für die Besitzer kleiner Kapitalien durch den Erwerb eines Stockwerks oder nur einer Wohnung recht gut erfolgen. Jedoch müßten hierfür erst die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden.