Die Sprengung der Anlagen von Deutschlands größter Werft Blohm & Voß in Hamburg und die Gefahr einer weiteren Zerstörung der Schiffbaueinrichtungen lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Industrie, die nicht nur den Küstenstädten weitgehenden Arbeitsrückhalt gab, sondern auch als allgemein lebenswichtig bezeichnet werden muß. Abgesehen von den deutschen Bedürfnissen besteht für Welthandel und Weltschiffahrt ein lebhaftes Interesse an einer deutschen Leistungsfähigkeit. Alle Pläne Englands und der USA, aber auch Frankreichs, gehen auf eine möglichst große Ausweitung des internationalen Handelsverkehrs und die Beseitigung der hemmenden Schranken. Eines Tages wird Deutschland als Absatzmarkt wieder recht begehrt sein, und seine Häfen werden Handel und Verkehr mit weiten Räumen des europäischen Kontinents vermitteln. Diese Häfen müssen leistungsfähig erhalten bleiben. Dazu gehören nicht nur Umschlagsanlagen aller Art, sondern auch leistungsfähige Schiffbaugelegenheiten.

Die Entblößung der großen Seehäfen von Werfteinrichtungen ist also eine internationale Angelegenheit. Seehäfen von Format und mit lebhaftem Verkehr können ihre Aufgaben nur erfüllen, wenn sie der internationalen Schiffahrt entsprechende Dock- und Reparaturmöglichkeiten zur Verfügung stellen können. Schiffsunfälle und Havarien aller Art sind nun einmal nicht zu vermeiden, aber sie erfordern aus Sicherheits- und Geschäftsgründen eine möglichst schnelle Beseitigung der Schäden, mit der nicht gewartet werden kann, bis das Schiff den Heimathafen oder einen andern Hafen des europäischen Kontinents aufsucht.

Im Interesse des internationalen Verkehrs also muß dafür gesorgt werden, daß in den deutschen Seehäfen ausreichende Reparaturmöglichkeiten erhalten bleiben. Dazu braucht man eine entsprechend ausgerüstete Werftindustrie, und es wäre eine Verkennung der Tatsache, zu glauben, Reparaturarbeiten ließen sich ohne weiteres von der Neubautätigkeit trennen. Tatsächlich liegen die Dinge so, daß nur solche Häfen schnelle und umfangreiche Reparaturhilfe bieten können, die gleichzeitig Werften mit bedeutendem Neubaugeschäft beherbergen. Reparaturen sind Stoßgeschäfte, erfordern also den plötzlichen Einsatz bedeutender industrieller Kapazitäten und Arbeitermassen. Beides ist für das Reparaturgeschäft allein nicht zu unterhalten, oder die Kosten würden sich außerordentlich erhöhen. Der Neubau beschäftigt kontinuierlich die notwendigen Anlagen und Menschen, die ohne weiteres in dringendem Reparaturfall vorübergehend zur Verfügung gestellt werden können, ohne das laufende Geschäft zu beeinträchtigen. Ein solcher Hafen wird auch die Reparaturen preiswert durchführen können. Daß sich für Deutschland aus dem Reparaturgeschäft Einnahmequellen in Devisen erschließen, ist ein zusätzlicher Vorteil, der bei dem Fortfall der Devisenüberschüsse aus der Seeschifffahrt doppelt zu Buch schlagen würde. A.B.