In Hallen und Notwohnungen, in Kellern und Dachkammern erschallt heute in Deutsdtland Musik. Die äußeren Bedingungen, unter denen wir leben müssen, mögen Manchmal an die Grenze dessen heranreichen, was wir früher als menschenwürdig erachtet hätten, aber sie haben die tiefe Sehnsucht nach Erlösung durch die Musik, nach Befreiung von irdischen Sorgen und vergänglichem Trachten, nach Überführung unserer Seele in die heiteren, reinen Gefilde der wahren Kunst nicht ertöten können. Aus der Kraft der Töne quillt uns eine neue Welt entgegen, unvergänglich, unbeschwert, groß und gewaltig.

Das große Erbe der Vergangenheit ist stärker gefährdet als jemals in unserer Geschichte. Aber von den Werten, die uns geblieben sind, an die wir uns klammern können, um aus ihnen neuen Lebensmut gewinnen zu können, ist die Musik vielleicht der bedeutsamste, weil sie sich von dinglichen Voraussetzungen am ersten frei machen kann. Die großen Meister sprechen heute noch zu uns mit der Gewalt ihrer Töne, und manchmal erscheint es uns, als ob wir sie besser, tiefer verstehen gelernt haben als in den Tagen äußeren Wohlergehens. Das Leid, das uns getroffen, hat unsere Herzen geöffnet, um mitschwingende Töne zu vernehmen, die uns früher fremd waren.

Wir wissen heute, wie gefährdet die Werte sind, die im Vergänglichen ruhen, und wir wissen, welche unendliche Kraft denen innewohnt, die aus dem Herzen quellen, aus der inneren Verbundenheit zu den großen Schöpfungen der wahren Kunst. Wenn heute Musik uns wieder Mut zum Leben gibt, dann wollen wir auch erkennen, daß nur ein Leben lebenswert ist, in dem auch sie ihren Platz hat. Wer im Reich der reinen Klänge der großen Kunst sich heimisch fühlt, dessen Herz hat den wahren Frieden gefunden, den Frieden, der auch die äußere, heute zerstörte Welt wiederaufbauen wird.