Die nordamerikanische Kraftwagenerzeugung kommt nicht in Gang. Sie liegt immer noch weit unter der gegebenen Leistungsfähigkeit, weil eine besondere Zulieferung versagt. Der Engpaß wird durch das Fehlen von Spiraldraht gebildet, der für die Polstersitze benötigt wird. Die kleinen Unternehmungen, die diese Artikel herstellen, sind wegen der Streiks und der sozialen Unruhen in den Lieferungen rückständig und legen so die gesamte Kraftwagenerzeugung lahm.

Dieses eine Beispiel zeigt, welche Schwierigkeiten der Aufbau der neuen Friedenswirtschaft in der ganzen Welt zu überwinden hat. Wenn dergleichen Hemmungen schon in den reichen Vereinigten Staaten bestehen, die keinen Luftangriff zu ertragen hatten, deren Industrie intakt aus dem zweiten Weltkrieg hervorgegangen ist und deren technische Leistungsfähigkeit in den letzten Jahren auf eine bisher ungeahnte Höhe gesteigert werden konnte, dann können wir ermessen, welche unendlichen Mühen uns noch bevorstehen, bis wir auch nur die sichtbarsten Folgen eines sinnlosen, bis zur völligen Vernichtung fortgesetzten Krieges behoben haben werden.

In einer gut arbeitenden Volkswirtschaft sind stets genügend Reserven vorhanden, um unvorhergesehenen Schwierigkeiten begegnen zu können. Überall liegen Vorräte. Das Polster von Großhandel und Einzelhandel ist ausreichend genug, um plötzlich auftretenden Bedarf zu befriedigen. Wir wissen selbst, wie lange wir noch von Vorräten des Friedens gezehrt haben, als schon längst der Geist der Vernichtung alle Produktionsstätten für den Krieg beschlagnahmt hatte. Seit Jahren wird nun in Deutschland so gut wie nichts mehr hergestellt, angefangen von der Zahnbürste und dem Schnürsenkel bis zur elektrischen Birne. Daß wir dennoch, leben und Licht brennen, ist ausschließlich die Folge der früher angehäuften Vorräte, die jedoch täglich und stündlich schwinden, weil sie nicht ersetzt werden können. Die ganze Auswirkung dieses Zustandes werden wir erst zu spüren bekommen, wenn die Wirtschaft wieder anlaufen wird und wir mit einem größeren industriellen Bedarf aufwarten werden.

Wir können diesen Gedanken auch in die große Politik übertragen. Zurzeit leben wir noch in der Zeit des Übergangs. Die Folgen des langen, schrecklichen Krieges sind noch nirgends überwunden. Die Umstellung von Rüstungs- auf Friedensindustrie nirgends – abgeschlossen. Dazu kommt die empfind-

liche Lebensmittelnot, bedingt durch die Folgen des Krieges, und die weiten, unbestellten oder nicht einmal abgeernteten Flächen sowie durch unerwartete Mißernten auf der vom Kriege unberührten südlichen Halbkugel. Die Vorräte, mit denen sonst die Völker von einer Ernte in die nächste zu gehen pflegen, sind restlos aufgezehrt, hineingeworfen in den Abgrund einer Welthungersnot, wie sie die Menschheit seit langer Zeit nicht mehr gekannt hat. Aber inzwischen geht der Wiederaufbau stetig weiter.

Die Umstellung der Industrien, die Ingangsetzung zerstörter Werke, das Anlaufen des Weltverkehrs, der Aufbau der neuen leistungsfähigen Welthandelsflotte, die Ausweitung der bestellten Äcker, so daß etwa die Vereinigten Staaten mit einer Rekordweizenernte rechnen, alles das spielt sich von unseren Augen unbemerkt ab. Unsere Hoffnung muß sein, daß diese unsichtbare Entwicklung stark genug sein wird, sich auf die Dauer durchzusetzen. Wir wollen uns dessen jedoch bewußt bleiben, daß damit die Spannungen innerhalb der Wirtschaft ebenfalls wachsen werden, bis wir wieder das Polster der ausreichenden Reserven haben werden.

Diese Spannungen in der Wirtschaft werden ihren Niederschlag in der Politik finden. Im Augenblick steht die Lahmlegung der deutschen Rüstungsindustrie im Vordergrund, da die Sorge vor einem möglichen dritten Kriege, der unter allen Umständen vermieden werden muß, im Vordergrund steht. Es wird jedoch der Augenblick kommen, da die Völker sich wieder ganz dem friedlichen Aufbau hingeben werden. Je früher das der Fall sein wird, desto eher werden die traurigen Folgen des Krieges, die Ruinen und zerstörten Fabriken, die Unterbrechung der Handelsbeziehungen und die unübersteigbaren Zollgrenzen verschwinden. Aufblühen kann Europa nur, wenn es den Gedanken an den Krieg völlig abtut und sich ganz dem Wiederaufbau hingibt.