Die Pfingstunterbrechung wirkte sich nicht günstig auf die allgemeine Kursentwicklung aus. Politische Betrachtungen und Währungssorgen trugen dazu bei, die Aktienkurse – zum Teil um mehrere Punkte – zu drücken. Überall blieb eine abwartende Haltung der Käufer das vorherrschende Merkmal. Die Umsätze erfuhren auch nach den Feiertagen nur eine geringe Erhöhung.

Wieder lagen die süddeutschen, vor allem die Frankfurter, Notierungen leicht über den Hamburger Kursen. So sind AEG-Aktien in Hamburg von 84 auf 78 gefallen, halten in Frankfurt aber noch 82 v. H. BMW-Aktien wurden in Hamburg zu Kursen auf der Linie 75–76 v. H. gehandelt, während in Süddeutschland zu 79 v. H. noch kein Angebot herauskam. Ähnlich ist das Kursverhältnis für Siemens-Stammaktien, die in Frankfurt zu 100 vergeblich gesucht, in Hamburg aber zu 98 umgesetzt wurden.

Wie stark jetzt wieder die Schwerindustriegruppe vom Kursabbau betroffen wurde, zeigen auch folgende Kurse: für Hoesch wurden in Hamburg bei Kleinumsätzen zuletzt 113 genannt, in Frankfurt 115. Vereinigte Stahlwerke haben in Hamburg von 81 auf 74 nachgegeben. Nicht viel geringer waren die Kurseinbußen für Rheinische Stahlwerke und Rheinmetall-Borsig.

Auf dem Bankenmarkt waren die Verluste wieder besonders groß. Reichsbankanteile notierten an allen Plätzen zuletzt 85, die Deutsche, Dresdner und Commerzbank 63 bis 64 v. H.

Der Rentenmarkt blieb verhältnismäßig ruhig. Am Markt der Industrieobligationen mußten einige Werte mangels Nachfrage gestrichen werden, obwohl die Kurse bereits wesentlich niedriger genannt worden waren. Dazu gehörten z. B. die AEG-Obligationen zu 4 bzw. 4 1/2 v. H. Auf dem Pfandbriefmarkt gab es kaum Veränderungen. 4 v. H. Pfandbriefe der Hamburger Hypothekenbank behaupten sich weiterhin zu 104 l/4 v. H., unter den Ostwerten die Deutsche Centralbodencreditanstalt zu 59 und die Preußische Landespfandbriefanstalt zu 90. Die 4 v. H. Pfandbriefe der Sächsischen Bodencreditanstalt sind auf 40 v. H. gefallen. Es ist denkbar, daß ein .Zusammenhang zwischen dem Kursverlust dieses Papiers und der regen neuen Anleihetätigkeit im Lande Sachsen besteht. Sachsen hat bisher zwei Anleihen zu je 60 Mill. RM aufgelegt, die mit 4 v. H. verzinst werden, zehn Jahre Laufzeit haben und zu pari ausgegeben werden. Das gesamte Anleiheprogramm Sachsens umfaßt 300 Mill. RM. Auch alle übrigen Länder und Provinzen der russischen Besatzungszone, haben – allerdings weniger umfangreich – Anleihen herausgebracht: so Thüringen 75 Mill., Mecklenburg-Vorpommern 40 Mill.; die Provinz Sachsen hat eine Anleihe von 125 Mill. RM angekündigt, Brandenburg eine 60-Mill.-Anleihe. Die Verzinsung beträgt überall 4 v. H. –ck.