Die Lage Deutschlands ist wirklich nicht beneidenswert, und es ist heute nicht leicht, Deutscher zu sein. Uns bleibt jedoch die Überzeugung, daß einmal der Tag kommt, da die Menschheit zurückfindet zu der Erkenntnis, daß gegenseitige Duldsamkeit und Anerkennung der Grundrechte des Menschen die Voraussetzung für das Bestehen kultivierter Völker ist.

Deutschland ist aus der europäischen Gemeinschaft nicht wegzudenken. Es ist ein wesentlicher

Von Dr. Gerhard Schulz-Witthun

Mehr als Worte und Erläuterungen beweist dies eine Karte, die Deutschland als Durchgangsland für den internationalen Straßenverkehr zeigt. Man sieht, daß die großen Verbindungslinien zwischen den Hauptstädten Europas sich in Deutschland schneiden, und man sieht weiterhin, daß das Straßennetz Deutschlands dieser Aufgabe auch gewachsen ist, wenn es auch durch Fehldispositionen der letzten Jahre dem ursprünglichen Zweck, die Verbindung zwischen den großen Städten Europas Teil des mitteleuropäischen Raums, der das Kernland von Europa darstellt, und das natürliche Verbindungsglied zwischen Ost- und Westeuropa, das man nicht herausschlagen kann, ohne damit Europa selbst zu vernichten.

Das Verbindende zwischen den Völkern zu suchen heißt Verbindung zwischen Völkern herzustellen – durch den Verkehr. Deshalb ist der Verkehr berufen, die ersten Fäden wieder zu knüpfen zwischen der Außenwelt und uns, und Aufgabe der hierfür bestimmten Behörden, die verkehrspolitischen Möglichkeiten aufzuzeigen. herzustellen, nicht in allen Teilen entspricht und noch mancher Kilometer zu bauen ist, ehe die Aufgabe als gelöst bezeichnet werden kann. Die Reichsautobahnen sind keineswegs eine Erfindung Hitlers, sondern die baureifen Unterlagen für die erste Strecke von Autofernstraßen, nämlich die Straße Kopenhagen–Hamburg–Genua über die Schweiz, lagen bereits im Jahre 1928 vor, und nur die damalige Weltwirtschaftskrise verzögerte den Beginn dieser Arbeiten. Welche Bedeutung diese: Straße hat, sieht man am besten daraus, daß heute schon wieder eine regelmäßige Omnibusverbindung zwischen Kopenhagen und der Schweiz besteht, und die Fortsetzung nach Genua und weiter nach Italien hinein auch nur eine Frage der Zeit ist. Strecken dieser großen Verkehrsstraße von Nord nach Süd sind außerhalb von Deutschland, wie man aus der Karte sieht, ebenfalls bereits zum Teil fertiggestellt.

Ebenso steht es mit der großen Transeuropastraße, die von London bzw. Paris bis nach Istanbul führt und die in einigen Strecken auf holländischem und belgischem Boden ebenfalls fertig ist und sich in deutschen Autobahnen fortsetzt, wobei recht erhebliche Teile bereits seit Jahren dem Verkehr übergeben sind. Auch die Straße Moskau-Paris, die in den Teilen Moskau-Minsk, Königsberg-Elbing, Stettin-Berlin–Frankfurt-Saarbrücken fertig ist, führt in wesentlichen Teilen durch Deutschland und wird durch die Straße Warschau-Berlin–Piris ergänzt.

Es ist nicht notwendig, jede einzelne Verkehrsstraßemit Namen zu benennen. Die Karte spricht für sich, und sie gibt denen recht, die auf dem Standpunkt stehen, daß wir auch in heutiger Zeit und trot: aller Katastrophen Veranlassung haben, uns mit europäischen Aufgaben zu beschäftigen.