Neben der normalen Währung gibt es nicht nur die "blonde Goldwährung", wie sie letzthin genannt wurde, wo Gewinn und Verlust nach dem Angebot von Lucky Strike und Navy Cut reguliert wird; es gibt außerdem eine weiße, legale, öffentliche Börse des kleinen Mannes, die nicht nur binnendeutschen Wert hat: das ist der Briefmarkenhandel. Und der Handel blüht.

In einer deutschen Mittelstadt, unweit des Hauptwechsels von Ost nach West und Nord nach Süd existieren heute sieben blühende Briefmarkengeschäfte, wo früher zwei ihr schwindsüchtiges Dasein fristeten: Symptom der Unsicherheit, des bürgerlichen Bargeldüberhanges und der krampfhaften Bemühungen, diesen vor der drohenden und vielerorts ersehnten Regulierung sicherzustellen. Summen und Feilschen, die Spannung spekulierender Menschen herrschen in diesen kleinen Geschäften. Alle Nationen, Sieger und Besiegte, displaced persons und heimatloses Volk, drängen sich um die Tische, wo die minimalistische Währung, die einzig erreichbare Devise, verhandelt wird, deren Weltgeltung relativ stabil bleibt, auch wenn alles andere verlorengeht. Mit der kleinen Tüte, dem eingenähten Taschenalbum im Rockschoß glaubt sich der vorsichtige Markenspekulant krisenfest, ja er meint. selbst den Untergang des Abendlandes überstehen zu können, denn drüben, jenseits der großen Wasser, wird ihm seine Markenrarität immer noch hübsche Sammlerpreise liefern.

Diese Ansicht scheint etwas für sich zu haben. Denn wo sitzt auf den Finanzämtern der sattelfeste Philatelist? Wer will die Preise stoppen, lenken, staffeln und Gewinne abschöpfen? Wer will das gezahnte Gold unserer Tage im Gepäck finden? Und nach welchen Tarifen soll es verzollt werden? Nach Postwert, Katalogpreis oder gar Papiergewicht?

Sind Sammler also glücklichere Menschen? B.