Der englische Erfinder auf dem Gebiet der Fernsehtechnik, John Logie Baird, ist im Alter von 58 Jahren in Bexhill gestorben.

Die Fernsehtechnik hat einen ihrer großen Pioniere verloren. John L. Baird ist tot, und im Kreise der Wissenschaftler und Techniker des Fernsehens ist eine Lücke entstanden, die besonders fühlbar für die britische Forschungsarbeit sein dürfte. Der Ideenreichtum dieses Denkers und Erfinders war schier unerschöpflich. Von hohem Ehrgeiz beseelt, ließ er bei allen Erfolgen stets auch die Arbeiten seiner Konkurrenten – unter ihnen besonders die grundlegenden Experimente des deutschen Physikers Professor Karolus – gelten und zollte ihnen neidlos Anerkennung.

Nach einem mehrjährigen wechselvollen Aufenthalt in den USA, wohin er nach dem Studium an der UniversitätGlasgow ging, begann er als Vierunddreißigjähriger unter dürftigen Verhältnissen seine ersten Experimente auf dem Gebiet der jungen Fernsehtechnik. Für das Prinzip der Bildzerlegung beim Sender griff er auf die schon im Jahre 18 83 von dem Deutschen Paul Nipkow gemachte Erfindung der Spirallochscheibe zurück. Das Problem der Umwandlung des fluktuierenden Lichtes bei der Bildabtastung in entsprechende Stromschwankungen löste er damals durch die Erfindung einer Kolloidzelle. Mit diesem für Experimentierzwecke konstruierten Gerät gelang, ihm im Jahre 1926 die erste Fernsehübertragung aus England. Ein menschliches Gesicht wurde vom Empfänger in Form eines flimmernden weißen Ovals mit mehr oder minder deutlich sichtbaren Augen, Nase und Mund wiedergegeben. Das war seinerzeit ein großer Erfolg. Ob-, wohl dieses Ergebnis des Bairdschen Experiments alle Fernsehtechniker der Welt aufhorchen ließ, blieb vorerst in England das allgemeine Interesse nur gering. Erst viel später gelang es dem Erfinder, eine Baird – Gesellschaft in England ins Leben zu rufen. Sie gab ihm die Basis für Forschungsarbeiten im großen Stil. Im Jahre 1934 erreichte Baird vom Kristallpalast in London aus eine gleichzeitige Fernseh- und Tonübertragung. Die grundlegenden Probleme eines Fernsehrundfunks waren gelöst. Durch die Zusammenarbeit und den Austausch der Erfahrungen traf auch im Herbst des gleichen Jahres die Deutsche Reichspost die Vorbereitungen für die Eröffnung eines Fernsehrundfunks.

Bairds Experimente erstreckten sich jedoch nicht nur auf das Gebiet des Fernsehrundfunks, er forschte auch nach neuen Möglichkeiten für die Verwendung dieser Technik zur Sicherheit der Schiffahrt. Es gelang die Konstruktion eines sogenannten "Nebelsehers" unter Benutzung der infraroten Strahlen, eine Erfindung, die für die britische Kriegführung von größter Bedeutung war.

Dem britischen Pionier des Fernsehens ist es nicht vergönnt gewesen, die praktische Einführung seiner im Kriege vollendeten großen Forschungsarbeit über das farbige Fernsehen zu erleben. Seine Mitarbeiter unddie Wissenschaftler der ganzen Welt werden das Erbe seiner Arbeit antreten.

K. D.