Deutschland ist durch die neue Wirtschaftsstruktur, die es erhält, gezwungen, in noch stärkerem Maße als früher seinen Außenhandel zu pflegen. Je größer die Abhängigkeit vom Ausland ist, desto bedeutender sind auch die Devisenbelastungen für die Transportleistungen. Früher brachte die Schiffahrt der Zahlungsbilanz einen Überschuß zwischen 300 und 400 Mill. RM jährlich. In Zukunft werden Hunderte von Millionen vom Exporterlös für Frachtzahlungen abgehen und die Einfuhrmöglichkeiten beschränken. Daran muß bei allen Außenhandelsüberlegungen gedacht werden.

Japan wird in diesem Punkt günstiger stehen. Seine Werftkapazität wird auf 150 000 BRT im Jahr beschnitten, während sie bisher etwa 300 000 bis 400 000 BRT betrug. Aber auch diese Verkleinerung soll erst in Kraft treten, wenn "Japans Handelsflotte wieder so groß ist, daß sie den Anforderungen der Besatzungsmächte genügt". Damit ist nicht ausgesagt, welchen Umfang sie schließlich erhalten wird, wohl aber, daß Japan die Unterhaltung einer eigenen Handelsflotte erlaubt bleibt. Es ist vor allem nichts darüber ausgesagt, ob Japan in Zukunft seine Tonnage im Überseegeschäft einsetzen darf. Es ist nur bekannt, daß die USA wiederholt ihre Absicht bekundet haben, die deutschen und japanischen Überseerouten zu übernehmen. Darauf basieren zum Teil die Berechnungen, daß die USA eine wesentlich größere Handelsflotte werden unterhalten können als vor dem Kriege.

Als der Krieg ausbrach, verfügte Japan über eine Handelsflotte von 5,6 Mill. BRT und stand damit an dritter Stelle in der Weltrangordnung hinter England und den USA (Deutschlands Flotte betrug 4,5 Mill. BRT). Davon war aber ein beträchtlicher Teil in der japanischen und chinesischen See beschäftigt, also in den ostasiatischen Gewässern. Japan muß ja seinen gesamten Außenhandel über die nasse Grenze schicken und ist deshalb stärker noch als Deutschland auf die Seetransporte angewiesen. Das Bestreben Japans seit dem Ende des ersten Weltkrieges aber war in steigendem Maße darauf gerichtet, auch in der Überseefahrt eine entscheidende Rolle zu spielen. Es trieb eine bewußte Expansionspolitik in der Außenwirtschaft und setzte dafür seine Handelsflotte ein.

In diesen unterschiedlichen Aufgaben der japanischen Schiffahrt scheint uns der Schlüssel für die Behandlung des Landes in Schiffahrt und Schiffbau durch die Fernostkommission zu liegen. Das würde sich auch mit den Absichten, der Vereinigten Staaten decken, die Überseerouten, die früher, unter japanischer Flagge liefen, in Zukunft zu befahren. B.