Das Schicksal der deutschen Guthaben in der Schweiz ist entschieden. Die Verhandlungen über diesen Fragenkomplex sind in Washington zum Abschluß gekommen. Unter der Leitung von Minister Stucki, einem verhandlungsgewandten Handelsdiplomaten, hat die Schweizer Delegation ihren Standpunkt durchgesetzt. Damit, hat die Schweiz als einziges Land erreicht, daß die deutschen Guthaben nicht "en bloc" auszuliefern sind.

Zwei Hauptpunkte standen bis zuletzt zur Diskussion. Der erste betrifft die deutschen Guthaben, der zweite die Herausgabe der bei der Schweizerischen Nationalbank befindlichen Goldbestände.

Die Liquidation der deutschen Guthaben in der Schweiz erstreckt sich nur auf solche, die in Deutschland niedergelassenen natürlichen und juristischen Personen gehören. Diese werden zu einem noch vereinbarenden festen Kurs in Reichsmark entschädigt. Dagegen bleibt das Vermögen der in der Schweiz wohnenden Deutschen (immer noch etwa 100 000) unangetastet.

Soweit die deutschen Guthaben in der Schweiz der Beschlagnahme unterliegen, fällt die Hälfte den Alliierten zu. Sie werden ihren Anteil zum Wiederaufbau und zur Nahrungsmittelbeschaffung für die notleidende Bevölkerung in Europa verwenden. Die andere Hälfte verbleibt der Schweiz. Was diese damit macht, ist noch nicht entschieden. Wahrscheinlich werden diese Summen zur Vergütung der Schäden, die die Auslandsschweizer durch diesen Krieg erlitten haben, aufgewendet werden.

Die Liquidierung der deutschen Guthaben wird von der Schweizer Verrechnungsstelle durchgeführt. Sie wird unter voller Wahrung der Schweizer Souveränität mit einer Kommission zusammenarbeiten, in der die Regierungen der Verhandlungspartner, also die Schweiz, die USA, England und Frankreich, vertreten sind. Meinungsverschiedenheiten werden durch Schiedsspruch gelöst werden.

Was die Herausgabe des Goldes anlangt, so hat es damit eine eigene Bewandtnis. Bei Ausbruch des Krieges hatte Belgien das Gold seiner Staatsbank dem französischen Staat in Gewahrsam gegeben. Später wurde dieses Gold zusammen mit dem französischen Staatsschatz nach Dakar in Afrika gebracht. Von dort wurde das belgische Gold, unter Laval, der Hitlerregierung ausgeliefert. Nun bestimmten die Alliierten, daß das heutige Frankreich dieses Gold an Belgien zurückerstatten müsse. Frankreichs Finanzlage ist jedoch zurzeit nicht stark genug, um eine derartige Transaktion zu erlauben. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, hat die Hitlerregierung das belgische Gold für Zahlungen, die es für Zahlungen an die Schweiz zu liefern hatte, verwandt. Die auf den Goldbarren befindlichen Stempel, die auf das belgische Staatseigentum hinwiesen, sollen dabei unkenntlich gemacht worden sein. Die Schweiz hat in gutem Glauben das Gold – etwa 500 Millionen Schweizer Franken –, das als Gegenwert für übrigens rechtlich einwandfreie Leistungen bestimmt war, erworben. Die heutige Regierung von Frankreich hat jetzt auf dieses Gold einen Rechtsanspruch geltend gemacht, obwohl die Vichy-Regierung es damals selbst der Hitlerregierung aushändigte.

Die Schweiz hat ihrem Standpunkt, daß sie das Gold gutgläubig erworben hat und infolgedessen behalten kann, insoweit zum Sieg verholfen, als sie sich jetzt freiwillig entschlossen hat, 250 Millionen Schweizer Franken zu bezahlen, während das Gold in ihren Tresors bleibt. Die Alliierten haben ihrerseits eine Verzichterklärung im Namen der Unterzeichnermächte des Pariser Reparationsabkommens und ihrer Staatsbanken abgegeben. Die 250 Millionen Schweizer Franken sollen in Übereinstimmung mit dem Pariser Reparationsabkommen verteilt werden.

Im ganzen gesehen ist das Ergebnis der Verhandlungen für die Schweiz nicht ungünstig. Man muß bedenken, daß zu Anfang der Verhandlungen der Schweiz angedroht wurde, bei Nichtauslieferung aller Goldbestände und deutscher Guthaben die Schwarzen Listen bestehen zu lassen, die blockierten Schweizer Guthaben in Amerika nicht freizugeben und die Importe von für die Schweizer Ernährungslage unbedingt notwendigen Lebensmitteln und sonstigen Waren des täglichen Bedarfs zu kürzen.