Bauern, Bürger, Flüchtlinge zwischen Nord- und Ostsee

Von Jan Molitor

Schon das junge Mädchen, das am Ausgang von Hamburg winkte, um bis Rendsburg mit: genommen zu werden, ist Ostpreußin. Flüchtling, natürlich. Sie trägt ein verwaschen-grünes Kopftuch, aber das Gesicht ist frisch und hübsch. Doch was Me sagt, steckt voller Bitterkeit: „In einem Haus zu wohnen, in einem Lande, wo einen niemand gern hat, Gott bewahre! Es ist so schlimm geworden, daß die Leute sagen: Jeder neue Flüchtling macht drei neue Dänen. Dergleichen hat sogar schon In einer Zeitung gestanden, so schlimm ist das!“

„Was sagen die Leute?“

„Sie sagen: ‚Wir haben im Leben nicht gewußt, was die Ostpreußen für Menschen sind. So faul, so liederlich und immerzu untertänig im Benehmen! Wenn die Ostpreußen auch Deutsche sind, dann danke! Dann verzichten wir; dann sind wir schon lange Dänen‘...“ Das Mädchen fügt hinzu, daß die Leute, die dies sagten, noch die „Idealisten“ seien.

„Und warum wollen die andern dänisch werden?“

„Wegen der Speckpakete, die man bekommt, wenn man dänisch wird!“