Von Alexander Meyer - Wülfing

Das neue Tabaksteuergesetz stellt das beteiligte Gewerbe vor z.T. unlösbare Aufgaben. Offenbar war den Verfassern die bestehende deutsche Steuergesetzgebung in ihrer Kompliziertheit (Zollfrage!) nicht hinreichend geläufig. Vor allem war wohl nicht bekannt, daß das deutsche Tabakgewerbe wegen der Höhe der bisherigen Tabaksteuer zwangsläufig eine sogenannte „umgekehrte Kalkulation“ gehabt hat, wobei nicht, wie sonst in der Wirtschaft üblich, von unten nach oben kalkuliert wurde, also von Rohstoffkosten, Abgaben, Löhnen, Transport, Betriebskosten ausgehend zum Verkaufspreis, sondern umgekehrt von einem zunächst angenommenen Kleinverkaufspreis abwärts, „von oben nach unten“, bis zur Ermittlung, ob nach Abzug der hohen Sondersteuer und der anderen Kalkulationsposten noch soviel übrigbleibt, daß es sich lohnt, ein Produkt zu einem solchen Preis anzufertigen.

Erhöht man in solchem Fall den ersten Posten der Kalkulation, die Sondersteuer auf den Kleinverkaufspreis, zu sehr, so kommt durch die Kumulation der Steuern eine so hohe Gesamtbelastung allein durch Tabaksteuer, Umsatzsteuer, Zoll und Materialsteuer zustande, daß dadurch schon für die Herstellungs- und Vertriebskosten fast nichts mehr übrigbleibt. Deshalb ist es unmöglich, überhaupt die „neuen Preise“ zu finden, und damit steht da? Gewerbe vor einem Rätsel. So erklärt sich auch die Stillegung der Fabriken.

Es ist nicht anzunehmen, daß durch die Verordnung die Produktion und der Verbrauch erdrosselt werden sollen. Vielmehr scheint es die Absicht des Gesetzgebers zu sein, eine starke Erhöhung der Abgaben durchzuführen.

Bei der großen Auswirkung, die diese Abgaben haben können, würde sich wohl eine nüchterne, sachliche Prüfung lohnen. Vor allem sollte man – unter Ablehnung einer Augenblickslösung – die weitere Zukunft im Auge haben, weil ja das Bestreben der Mächte dahin geht, einen Frieden auf lange Zeit vorzubereiten. Um in richtiger Weise beginnen zu können, wäre zu klären, in welchem Umfang die Mächte auf Reparationsleistungen in Geld Anspruch erheben. Das müßte wohl der Ausgangspunkt sein. Danach kann errechnet werden, welcher Konsum bestehen bleiben muß, um die Aufbringung dieser – freiwilligen – Mehrleistung deutscher Raucher zum Reparationsfonds zu sichern. Von wesentlicher Bedeutung für die Beurteilung des Problems ist weiter die Aufteilung in Zigaretten, Zigarren, Rauch-, Kau- und Schnupftabak. Diese Frage steht in Wechselwirkung mit der historisch gewachsenen Art des Verbrauchs, mit Weiterbeschäftigung oder Arbeitslosigkeit, mit der Höhe der Besteuerung der Produkte zueinander. Sie hat gerade für die weitere Zukunft, auch in Hinsicht auf die Weltmarktlage auf dem Tabakmarkt, erhebliche Wirkungen.

Früher hatte die deutsche Zigarettenindustrie direkte Einkaufsverbindungen auf dem Balkan. Von den dortigen Ernten wurde über 75 v. H. von Deutschland aufgenommen. Es könnte ja sein, daß sich als Kriegsfolge nun englische oder amerikanische Finanz- oder Fachinteressenten dort einschalten, für die der deutsche Markt als regelmäßiger großer Abnehmer von bemerkenswerter Bedeutung sein wird.

Auf dem Gebiet der Zigarre des Rauch- und Kautabaks sei das Interesse gestreift, das die USA an Virginia- und Kentuckytabaken haben, und an Domingo und Havanna, die wohl zur USA-Interessensphäre gehören dürften. Dann sei der Hinweis auf Brasilien erlaubt, dessen Tabak regelmäßig in sehr bedeutendem Umfang von Deutschland verarbeitet wurde.