Es wird berichtet, daß in Bayern erhebliche Mengen an Möbeln für den zivilen Bedarf hergestellt werden. Allein ein „Großauftrag“ betrifft bereits je 3000 Küchen- und Schlafzimmereinrichtungen und je 1500 Schreib- und Eßtische.

Wer die Verhältnisse in den von Flüchtlingen seit Jahr und Tag überfüllten Dörfern und Kleinstädten der britischen Zone, speziell in Schleswig-Holstein, aus eigener Anschauung kennt, mag sich über derartige Produktionsprogramme wundern. Wo gibt es hierzulande denn noch leere Räume, die etwa als Schlafzimmer möbliert werden könnten? Die Dinge liegen doch so, daß in jedem bewohnbaren Raum mindestens eine zweiköpfige Familie untergebracht werden muß, und daß dem einzelnen Menschen nur ein „Raumbedarf“ von 3,5 oder 4 qm zugebilligt werden kann. Es ist also hier praktisch unmöglich, eine Schlaf Zimmereinrichtung aufzustellen, weil ja die etwa noch verfügbaren Räume zugleich als Wohn- und Schlafstätte für mehrköpfige Familien dienen müssen. Und es kommt hinzu, daß im großen und ganzen sehr viel mehr Möbel vorhanden sind, als es Wohnräume (oder auch nur „winterfesten Raum“, der von Flüchtlingen zu belegen ist) gibt. Nicht an Möbeln besteht Mangel, sondern an Räumlichkeiten, in denen vorhandene – vielfach abgestellte und gestapelte – Wohnungseinrichtungen zu placieren wären. Der vorhandene Wohnraum ist, sozusagen, mit Urväterhausrat vollgestopft.

Solange nicht in nennenswertem Maße gebaut werden kann, erscheint es wenig sinnvoll, noch mehr Möbel zu bauen und das Mißverhältnis zwischen den in reichlichem Maße aus den zerbombten Städten geretteten Wohnungseinrichtungen zu dem wenigen verfügbaren Wohnraum noch zu vergrößern. Viel zweckmäßiger wäre es, – die vorhandenen Möbel, vor allem die gespeicherten und gestapelten Einrichtungen, dörthin zu bringen, wo im Einzelfall nochMangel besteht: durch Ausleihen, Vermietung, Tausch und schließlich auch (nach vollzogener Währungsumstellung) durch Verkauf. Einzelne Verwaltungsbezirke haben derartige Maßnahmen schon eingeleitet.

Eine durchschlagend richtige Lösung bringt für die Übergangszeit, bis der Wohnungsbau wieder anläuft, der Vorschlag der Schadengemeinschaften, wie er in dem hier kürzlich skizzierten Plan K für die Regelung der Wohnungsverhältnisse enthalten ist. Sosehr es auch zu wünschen wäre, daß die handwerkliche (und alsbald auch die industrielle) Möbelproduktion wieder anläuft, und daß der Tischler nicht nur als bloßer Reparaturhandwerker in Beschäftigung gebracht wird, so sehr muß man sich in unserer Lage vor Fehlinvestitionen hüten. Dazu gehört insbesondere heute der Bau von Möbelfabriken, wie er da und dort geplant und, in Einzelfällen, wohl auch schon beschlossen und eingeleitet worden, ist. Vorläufig müssen und können wir uns mit dem vorhandenen Möbelbestand behelfen, und nicht die Neuanfertigung, ist vordringlich, sondern die Verteilung. Das gilt, wohlgemerkt, nur für Möbel, während bei Haus- und Küchengerät ganz offenbar ein wirklicher, nur durch Neuanfertigung zu deckender Bedarf vorliegt.