vom 20. Juni bis 26. Juni 1946

Die vier Außenminister stimmten in Paris den Vorschlag Bevins zu, die Besprechungen über die Friedensverträge mit den Balkanstaaten und Italien am Freitag zu beenden. Vorher hatten sie sich über die Besetzungszeit dieser Länder geeinigt. Die Lösung des italienischen Kolonialproblems wurde auf ein Jahr verschoben. Über die italienischfranzösische Grenze sowie über die Verteilung der italienischen Flotte konnte noch keine Einigung erzielt werden. Die österreichische Forderung auf Rückkehr Südtirols wurde abgelehnt. Der Vorschlag des amerikanischen Außenministers Byrnes, am 15. Juli eine allgemeine Friedenskonferenz abzuhalten, fand nicht die Zustimmung von Molotow, der erst eine Einigung über alle fünf Friedensverträge förderte.

George Bidault, der in der vorigen Woche von der französischen Nationalversammlung zum Ministerpräsidenten gewählt worden war, hat am Montag das neue Kabinett gebildet, das sich außer auf die Fortschrittlichen Katholiken auf die Sozialisten und Kommunisten stützt. Bidault bleibt auch weiterhin Außenminister. Die Kabinettsbildung kam erst zustande, nachdem Bidault die Forderungen der Kommunisten auf Lohnerhöhung grundsätzlich angenommen hatte.

Der Vertreter Rußlands im Weltsicherheitsrat, Gromyko, forderte das Vetorecht für fünf der zwölf Mitglieder des Atomausschusses bei der Abstimmung über den Vorschlag des Amerikaners Baruch, ein internationales Amt für die Kontrolle der Atomenergie zu schaffen, der auch von dem britischen Vertreter, Sir Alexander Cadogan, unterstützt wird. Außerdem reichte Gromyko einen Gegenvorschlag ein, in dem die Zerstörung aller Atombomben und der dafür notwendigen Anlagen gefordert wird.

Die Spaniendebatte im Weltsicherheitsrat, die durch das Veto Gromykos gegen die Vorschlags des Vorsitzenden Evatts ergebnislos verlaufen war, wurde durch den Antrag des polnischen Delegierten Dr. Lange, der den sofortigen Abbruch der Beziehungen zu Franco empfiehlt, wieder in Gang gebracht. Auch der französische Vertreter im Weltsicherheitsrat, Parodi, forderte in einer Rundfunkansprache eine klare Entscheidung.

In einer Erklärung der polnischen römisch-katholischen Episkopats, die in allen Kirchen Polens verlesen wurde, beklagen die Bischöfe die gegenwärtige Lage des Landes, besonders den Verlust der persönlichen Sicherheit, Verhaftungen ohne Verfahren und Mißbrauch des Gesetzes sowie die große Zahl und die schlechte Behandlung der Gefangenen.

Der britische Staatsminister Noel Baker erklärte im Unterhaus, daß Außenminister Bevin „zutiefst betroffen“ sei über die Verzögerung der Wahlen in Polen und die Anzeichen dafür, daß diese Verzögerung dazu benutzt werde, eine der großen gesetzlich zugelassenen Parteien zu unterminieren.