Gedanken zu einer Ausstellung in Krefeld

In der heute wieder lebendigen Auseinandersetzung um die christliche Kunst interessiert eine Ausstellung junger Künstler des Niederrheins und Westfalens, die augenblicklich in Krefeld gezeigt wird. Gleich nach dem Zusammenbruch hat sich in dieser empfindlich zerstörten Stadt eine junge Künstlerschaft in einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, die in bewußter Anlehnung an die mittelalterliche Bauhüttenordnung um eine Verlebendigung der christlichen Kunst aus der Fülle des Glaubens heraus in dieser Notzeit ringt. Die Ausstellung, die von einer „Gemeinschaft für überpfarrliche Jugendarbeit“ veranstaltet und getragen wird, bietet in interessanter Weise die Möglichkeit des Vergleichs zwischen anerkannten Namen wie Thorn-Prikker, Anton Wendling und den in der auferlegten Stille des letzten Jahrzehnts nachgewachsenen Wilhelm Teuwen, Josef Strater, Ludwig Becker u. a. Bewußt aus dem Geist der Liturgie gestaltet sind die gezeigten Paramente (Ella Broesch, Heinrich Nauen) und die gottesdienstlichen Geräte (van Oyen). Wichtig ist vor allem der Beitrag, den die Ausstellung auf dem Gebiete der kirchlichen Baukunst zu leisten sich bemüht. Wenn man bedenkt, daß allein in der Aachener Diözese mehr als 650 Kirchen zerstört sind, so begreift man die Notwendigkeit, auf bescheidenster Grundlage Bauformen zu entwickeln, die dennoch würdig und ursprünglich sind. Die beachtenswerte Höhe des Geschmacks und der künstlerischen Leistung sind Anzeichen dafür, daß in der christlichen Kunst wieder Leben ist. Aber christliche Kunst wird nur dann sein können, wenn das Christentum, lebendig ist; nur dann, wenn die Christenheit aus dem Glauben lebt; wenn ihr der Glaube nicht ein ererbtes Gut ist, sondern eine im Ringen mit der Welt und im Ringen um die Welt bewährte Kraft. Jetzt entscheidet sich die Frage, ob die Kirche und die Gläubigen wahrhaft der Zeit zu begegnen und sie in Christus zu erneuern die Kraft und den Mut haben.