Der Birger, besonders in der Großstadt, nimmt die Leistungen seiner Gemeinde gewöhnlich ohne viel Nachdenken hin. Der Wasserhahn läuft, das Licht brennt, der Gasherd kocht, die Straßenbahn fährt – nun gut, das sind ihm Selbstverständlichkeiten des privaten, noch mehr des öffentlichen Lebens. Welch eine Summe von Können und Erfahrung, von Technik, Arbeit und Kapital nötig ist, um diese Wirtschaftsleistungen zu erreichen, wird oft vergessen. Nur der Streit um Tarife oder um Bahnverbindungen, immer aber das plötzliche Ausbleiben einzelner Leistungen in Krisenzeiten ruft der Masse die Existenz der gemeindlichen Wirtschaft vor Augen. Dann merkt man plötzlich, daß der gewaltige Organismus einer Großstadt, daß Industrie, Verkehr, Fürsorge, Polizei, Kanalisation und Ernährung nur funktionieren, wenn die Gemeinde das dazu nötige „Nervensystem“ in ständiger Reparatur und Überwachung hält. Was eine Großstadt ohne Licht, ohne Wasser, ohne Nahrung ist, haben wir ja zur Genüge erlebt.

Selten aber dringt man von diesen subjektiven Erfahrungen zum Nachdenken über die grundsätzliche Bedeutung der öffentlichen Wirtschaft vor. Auch hier bedürfte es weit stärkerer Anteilnahme der Einwohnerschaft. Daß in der Gemeinde ein Stück Sozialismus verwirklicht wurde, lange bevor die politischen Möglichkeiten ihm günstig waren, haben selbst heute noch nicht viele erkannt. Die öffentliche Diskussion über den sogenannten Kommunalsoznlismus wird jedoch zweifellos wieder einsetzen, sobald das politische und wirtschaftliche Leben sich stärker entwickeln. Allerdings wird sie eine wesentlich andere Ausgangsstellung vorfinden als nach dem ersten Weltkrieg. Damals war sie ein verhältnismäßig kleiner Teilabschnitt in einer vorwiegend privatkapitalistischen Wirtschaft; die Gemeinden varen auf wenige „klassische“ Verkehrs- und Versorgungszweige verwiesen, mit stärkstem Widerstand der Öffentlichkeit, sobald versucht wurde, darüber hinaus den einen oder andern Betrieb zu kommunalisieren. Die Kommunalwirtschaft von morgen wird dagegen unter die wichtigsten Posten einer Volkswirtschaft zählen, deren öffentlicher Teil den privaten vielleicht überflügeln wird.

Nun beceutet Sozialisieren heute in Deutschland ganz sicherlich kein wirtschaftliches Allheilmittel. Wo um die Abwendung des Konkurses gekämpft wird, errecht auch der Wandel der Rechtsform keine Rentabilität. Im Gegenteil, die unvermeidlichen Schwierigkeiten der Umstellung können als zusätzliches Hemmnis den Erfolg überhaupt in Frage stellen. In dieser Einsicht haben die Nachkriegsjahre seit 1920 immerhin wesentliche Lehren und Ergebnisse gebracht. Solche berechtigten Bedenken aber ändern nichts an der Notwendigkeit, der öffentlichen Hand künftig stärkere Rechte einzuräumen, als nach dem ersten Weltkrieg. Schon die erdrückende Last der neuen Steuergesetze wird das Privatkapital von allen Plätzen vertreiben, wo stärkeres Risiko, gemeinnütziges; Geschäftsgebaren, höhere. Aufwendungen erforderlich sind.

Gleichzeitig wird das Privatkapital jedoch auf bestimmten Gebieten einem immer stärkeren Widerstand begegnen. Noch in den letzten zehn Jahren etwa bedurfte es mehrerer Ministerialerlasse zum Schutz der gemeindlichen Energiewirtschaft. Die damals bekämpften Bestrebungen der „Reprivatisierung“ öffentlicher Betriebe dürften wohl kaum beim inländischen Privatkapital wieder, aufleben. Das bedeutet indessen nicht, daß die gerade in der Energieversorgung besonders häufige Verbindung von kommunalem und Privatkapital durchaus verschwinden müßte. Die seit vierzig Jahren entwickelte Rechtsform des gemischtwirtschaftlichen Unternehmens wird sich wohl, auch in einer vorwiegend sozialistischen Zukunft als brauchbar und unbedenklich erweisen. Es gilt daher einer bestimmten Linie zu folgen, ohne sich fruchtbare Möglichkeiten anderer Herkunft von vornherein zu verbauen. Auch in der kommunalen Wirtschaft wird man die rechte Lösung nicht in theoretischer Überspitzung, sondern in praktischer Vielseitigkeit finden. F. M.