DIE ZEIT

Zeitungsnotiz: „Die amerikanische Filmgesellschaft ‚Metro-Goldwyn-Mayer‘ hat drei Luftschiffe gekauft, die als fliegende Reklame täglich zwischenWashington und Hartford kreuzen sollen.“

Es ist schwer zu sagen, ob diese Reklamefahrten für den Film das Ende einer Idee sind, in der einmal der Ikarustraum der Menschen zum Ausdruck kam. Millionen von Menschen in allen Teilendieser grünen Erde haben einmal das Gefühl desmenschlichen Erhobenseins gespürt, während dersilberne Fisch, sei es in Deutschland, sei es inAmerika, sei es in Rußland oder in Frankreich oder der Schweiz, hoch über ihnen durch die Luft zog, ein sichtbares Zeichen, daß der Mensch einen alten Traum hatte zur Tat werden lassen.

Aber gerade diese Tatsache, daß der Zeppelin gegenüber dem Flugzeug durch seine Gestalt und durch seine schwer zu steigernde Geschwindigkeit dem Flugzeug im Kriege immer unterlegen/sein muß, diese Friedenseigenschaft des Zeppelins hat ihn im Grunde bei den Kriegsentschlossenen so unbeliebt gemacht. Es war seine Bestimmung, der Verbindung zwischen – den Völkern zu dienen. Er war zu anderem in der Tat nicht nutze. Bei der ungeheuren Entwicklung, die das Flugzeug immer im Krieg nehmen mußte – so sind die Menschen –, war der Zeppelin von Anfang an dazu verurteilt, seine Rolle in der Luft beiseite zu legen, wenn die Motoren des Kriegsflugzeugs sprachen.

Aber die anschauliche Wirkung des Zeppelins, die greifbare Erscheinung des Luftschiffes am Himmel wird immer besonders auf die Phantasie des Menschen wirken. Der Vergleich mit dem freundlichen Boten wird sich immer einstellen, wie bei dem Flugzeug der Vergleich mit dem Pfeil, der sein Ziel erreicht, immer durch unsere Gedanken geistern wird.

Im Oktober 1928 erfüllte das Luftschiff „Graf Zeppelin“ auf der Fahrt von Friedrichshafen nach Lakehurst eine wahrhafte Friedensmission. Es brachte in den USA etwas zum Durchbruch, was in dem großen Land der heißesten Arbeit immer entscheidend sein wird: Achtung vor der Leistung.

Wer diese erste Fahrt mit Passagieren – unter ihnen zwei Amerikaner und eine Engländerin – mitgemacht hat, wird beides in seinem Leben nicht vergessen: den Eindruck der Fahrt über dem Ozean, den diese achtundzwanzig Menschen zum erstenmal unter allen Lebenden in seiner Unendlichkeit und Größe auch im tiefsten Gefühl begriffen, und den Empfang in Neuyork, bei dem ein ganzes Land die Kriegserinnerung über Bord warf und Dr. Hugo Eckener, seinen Mitarbeitern und seinen Passagieren mit offenem Herzen zujubelte.