vom 27. Juni bis 3. Juli 1946

In Polen fand am Sonntag eine Volksabstimmung statt, zu der 10 1/2 Millionen ihre Stimmen abgaben. Die drei zur Entscheidung stehenden Fragen waren: Abschaffung des Senats, Beibehaltung der sozialen und wirtschaftlichen Reformen und Beibehaltung der neuen Westgrenze an der Oder- und Neiße-Linie. Das endgültige Wahlergebnis wird erst am 12. Juli bekanntgegeben.

Das amerikanische Atombombenexperiment im Pazifik ist ohne unvorhergesehene Ereignisse planmäßig verlaufen. Nur zwei Transporter im Zielgebiet sind gesunken, sechs Schiffe wurden schwer beschädigt. Der deutsche Kreuzer „Prinz Eugen“ wurde nur leicht getroffen.

Zur Streitfrage Triest hat der französische Außenminister Bidault der Pariser Konferenz ein Sieben-Punkte-Programm vorgelegt, das ein zehnjähriges autonomes Regime unter der gemeinsamen Verwaltung der vier Mächte, Italiens und Jugoslawiens vorsieht. Auch der russische Außenminister Molotow kündigte sein Einverständnis mit diesem Programm unter der Voraussetzung an, daß die Tschechoslowakei ebenfalls an der Verwaltung teilnähme. Er hatte bereits Besprechungen mit dem tschechischen Außenminister Masaryk, der vorige Woche überraschend in Paris eintraf. Masaryk, der auch mit Bevin und Byrnes schon verhandelt hat, ist außerdem an der Frage der ungarischen Minderheit in der Tschechoslowakei interessiert. Ein die freie Schiffahrt auf der Donau betreffender Kompromißvorschlag Bidaults wurde ebenfalls von den Außenministern angenommen. Eine Einigung wurde ferner bezüglich der Rückgabe des Dodekanes an Griechenland, der Annahme der französischen Forderungen an der italienischen Grenze, der Begrenzung der bulgarischen Flotte und der Verteilung der rumänischen Auslandsguthaben erzielt.

Der Weltsicherheitsrat beschloß nach einer langen, stürmisch verlaufenen Sitzung die Spanienfrage auf der Tagesordnung zu belassen, ohne über irgendein bestimmtes Vorgehen zu entscheiden. Da Gromykow zweimal mit Hilfe des Vetorechts Entschließungen zu Fall gebracht hatte, die sonst mit einer Mehrheit angenommen worden wären, forderten eilige Mitglieder eine Revision des Vetorechts.

Enrico de Nicolo wurde zum provisorischen Präsidenten der italienischen Republik gewählt. Er hat die Wahl angenommen. Zum Präsidenten der italienischen Verfassunggebenden Versammlung wurde der Sozialist Guiseppe Saragat mit 401 von 468 Stimmen gewählt.

Die indischen Parteien haben den Plan der britischen Kabinettsmission angenommen. Bis zu seinem Inkrafttreten hat Feldmarschall Lord Wavell, der Vizekönig von Indien, ein vorübergehendes Beamtenkabinett gebildet, das aus sechs Engländern und zwei Indern besteht.