Die Frauen wissen nicht, was sie kochen sollen. Die meinige weiß es auch nicht. Die Menschen tun seltsame Dinge, wenn sie verzweifelt sind. Meine Frau auch: sie borgte sich ein Kochbuch.

Sie tat es wegen „Anregungen“, die man vielleicht dort aufstöbern könnte. Wir sind mächtig angeregt worden, leider aber ganz anders, als beabsichtigt war. Und besonders ist das Zwerchfell angeregt worden, das bekanntlich von jeher als der Sitz des großen Gelächters betrachtet wird.

Man weiß ja gar nicht, was man alles verloren hat! Manchmal wird es einem blitzartig klar. Man erschrickt dann sehr, weil man die Tiefe seiner Verlassenheit und das Ausmaß seines Elends ganz klar erkennt. Man erschrickt und sucht eine Zuflucht. Diese Zuflucht findet man in dem großen Gelächter. Was soll man auch weiter tun?

Es handelt sich nicht am ein besonderes Kochbuch, nicht um eins für Millionäre oder Küchenchefs von Weltruf; es handelt sich um ein simples Kochbuch von der Sorte, wie sie früher gang und gäbe waren, und zwar um ein Schulkochbuch, das zum Preis von sage und schreibe dreißig Pfennig zu haben war. Und zwar hatte es im Jahre 1929 eine Auflage von zweieinhalb Millionen erreicht. Also ein weitverbreitetes Druckerzeugnis. Es gibt sicher prunkvollere Kochbücher, aber die verpumpt niemand, und schon gar nicht an Flüchtlinge.

Bereits der erste Satz ist bedeutsam: „Das Kochen ist schon in kleinen Anfängen eine Kunst, auf die jede Hausfrau ihr bestes Können verwenden muß!“. Mit den „kleinen Anfängen“ sind ohne Zweifel nicht die 1000 Kalorien gemeint. Wenn es damals schon eine Kunst war, was sollen dann die Haustrauen von heute sagen? Sie sind dann Attraktionsernsten der Kochkunst.

Wir wollen in dem Buch blättern. Da steht: „In den Monaten März, April, Mai geben die Eier bei ihrer Verwendung zu Suppenklößen und für süße Speisen viel Abwechslung. Es ist ratsam, sie nun auch für die Wintermonate als Vorrat einzulegen, da sie im März und April am billigsten und haltbarsten sind.“ Mit dem einen Ei gelegentlicher Zuteilung, das uns beschert wird, ist es schon bedeutend schwieriger mit der Abwechslung.

Mit eiskaltem Hohngelächter haben wir den Satz quittiert, „daß im Sommer viel der Schinkenspeck als Beilage in Betracht kommt“. Leider kommt er gar nicht in Betracht – überhaupt nicht – diese sagenhafte Sache: der Schinkenspeck!