Es mag mir noch so schlecht gehen, sobald ich andere sehe, denen es schlechter geht, fühle ich mich viel weniger armselig.

Warum? Ich weiß es nicht; vielleicht ist es meine Konstitution, vielleicht ist es der Gegensatz oder die Relativität aller Erscheinungen. Wer aus der Kälte kommt und ein ungeheiztes Zimmer betritt, emfindet Wärme; wer aus einem geheizten Zimmer in das ungeheizte tritt, empfindet Kälte; und beide Male ist es dasselbe ungeheizte Zimmer.

Ich mag noch so jammern, sobald andere jammern, höre ich den Mißton und sehe, ängstliches Klagen wendet kein Elend – und ich höre auf zu jammern.

Bei wem sich diese Gesetzmäßigkeiten, ebenfalls zeigen, der sollte aufhören, über seine gegenwärtige Lage mißvergnügt zu sein und sich Trost schaffen durch folgende Gedanken Montaignes:

Keine Lage ist so elend, daß man nicht tausend Beispiele fände, an denen man sich trösten könnte. Solon sagt, wenn alle Übel der Welt auf einen Haufen gelegt würden, so brächte doch jeder die seinen lieber mit nach Hause, als daß er den nach einer gleichmäßigen Berechnung auf ihn fallenden Durchschnittsartteil an der gemeinsamen Masse auf sich nehmen würde. An sein eigenes Weh hat man sick schon gewöhnt und empfindet es nicht mehr so stark wie fremdes, vielleicht weniger schweres, das man auf sich nehmen sollte und an das man sich erst wieder gewöhnen müßte.

Ist dies ein Trost? Ich weiß es nicht. Hilft er nicht, so schadet er auch nicht – also können wir ihn annehmen. F. W.S.