Von Heino Landrock Vf orgens, wenn die Wiesen betaut sind, verlasse ich das Haus, gehe leisen Schrittes in die Gärten und horche auf das Wachsen des Obstes. Wie es klingt, wenn das Apfelfleisch wächst und das Blut der Bäume in die Pfirsiche quillt? Mein Mund vermag es nicht zu sagen, nur mein Ohr hört es.

Ein Kalb ruft sehnsüchtig, Stare vagabundieren vorüber. Noch ist die Luft kühl, Tautropfen klirren, und die metallisch glänzenden Fliegen sitzen fest auf den Blättern. In diesen Wochen ist es nirgends so still wie auf den Obstwiesen. Der Mensch muß den Bäumen Frieden lassen, wenn er ernten will.

Ich wandere umher und blicke dabei in das eigene Herz. Einst liebte ich den Frühling, jetzt ist es der Sommer. Immer spiegelt sich der Mensch in der großen Natur.

Dann stehe ich am Strom. Gestern abend gingen wir weit hinaus auf den Sand, rot und grün brannte der Himmel; Pfuhlschnäpper riefen über unseren Häuptern und von den Weiden dröhnten die Fanfaren der Pferde. Jetzt strudelt Hochwasser zu meinen Füßen, ungestüm reitet der Strom. Geheimnis bleibt das Leben, aus dem Erdreich der Triebe wachsen Verstand und Vernunft. Gleichnis ist der Strom, Gleichnis das ganze Leben. Mehr kann es nicht sein.

Über Deich und Landstraße finde ich nach dem Friedhof. Der Fliegenschnäpper führt seine Brut spazieren, überall zirpt und flattert es über den Gräbern. In einer Ecke werkelt der Totengräber. Er steht bereits tief in der Erde, bald hat er es geschafft. Wie ruhig und zufrieden schaue ich heute in ein Grab. Auch das Herz wächst der Erde zu. Sinnend wandere ich an der Friedhofsmauer entlang und blicke in das Land hinaus. Gelb wird das Korn, die Kartoffeln blühen, über die Weide geht eine Magd mit den Melkeimern Übersichtlich wie das Land liegt auch der Tag vor mir. Gern denke ich an die Arbeit und froh kehre ich in das Haus zurück.

einem baumbewohnenden Affen den Menschen zu machen —, war unantastbares Dogma. Umgekehrt aber mußte dem rassischen Erbgut "unbegrenzte Dauer" zugesprochen werden, denn "Jud bleibt Jud". Um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, sprach man zumeist gar nicht mehr von- "Rasse" (also, um beim Hundebeispiel zu bleiben, von Mops oder DoggeX sondern von "Art" (als spräche man von Hund und Katze) "Artfremd" war der "Nichtarier", als gehöre er gar nicht mehr zur Species Homo sapiens "Artbewußt" hatte der Deutsche zu Sein — und >schon deshalb galt es, das Christentum abzulehnen, das "artfremdem Denken" entstammte. Freilich hätten dann unsere Vorfahren, die das Christentum aufnahmen und zur Grundlage der Kultur des letzten Jahrtausends machten, "entartet" gewesen sein müssen. In der Tat hatte der "nordische" Verfasser der "Nachfolge Christi" nicht genügend "artgemäße Instinkte" zur Verfügung gehabt und war mithin der "Überfremdung" anheimgefallen, während anderseits eine Bronzefibel aus germanischer Vorzeit dem Betrachter gefälligst Schauer der Ehrfurcht ms artverwandte Blut zu senden verpflichtet war.

Um jener Rassenkunde — obwohl ihre Grundeinsichten falsch und ihre Grundbegriffe ungeklärt waren — einen biologischen Anstrich zu geben, wurde kräftig mit dem Begriff "Auslese"gearbeitet. Durch Zufall und Auslese sei die Stammesgeschichte der Lebewesen zustande gekommen, leKrte man unter Rückgriff auf Darwin. Fragen wir uns, weshalb das so leidenschaftlich geschah, so müssen wir das Fremdwort "Selektion" im Sinne der SS verdeutschen:"Ausmerze". Hans Weinert gibt auch dafür, schon Jahre vor Hitlers Krieg, in seinem Buch " Zickzackwege in der Entwicklung des Menschen" ein Beispiel, indem er darin zur Beruhigung des Lesers, daß die so wichtige Auslese auch weiterhin am Werk sein werde, ein modernes Kriegsgeschütz abbildet. Der Nachdenkliche freilich hätte hier fragen müssen, wer Senn einer "Auslese" durch Kriegsgeschütze zum Opfer fallen werde, die Fehlangepaßten, Biologisch Untüchtigen oder nicht vielmehr die gesunde Blüte der Jugend Leider wurde Wcinerts rassenpolitischer Hochgesang auf die Geschütze von deren eigener Stimme alsdann