Am 7. Juli ist die Parität des kanadischen Dollars mit dem USA-Dollar wiederhergestellt werden: eine währungspolitische Maßnahme, die eine Aufwertung des Kanada-Dollars um rund 10 v. H. bedeutet.

Es war die erste Aufwertung nach einer langen Zeit, die nur Währungsabwertungen kannte. Zuletzt verbilligten Frankreich und Italien ihre Währungen, um ihren Export zu erleichtern. Auch der kanadische Dollar ist mehrfach abgewertet worden. Von 1925 bis 1931 bestand Parität zwischen den Dollarwährungen der beiden nordamerikanischen Länder. Als dann England 1931 den Goldstandard aufgab, wurde mit dem Pfund zusammen auch der kanadische Dollar abgewertet. Doch schon zwei Jake später wurde er wieder dem USA-Dollar angeglichen und blieb es bis 1939. In den ersten Wochen nach Kriegsausbruch sank der Wechselkurs des Kanada-Dollars um mehr als 11 v. H., um schließlich auf einen Stand von nahezu 10 v. H. unter dem USA-Dollar festgesetzt zu werden und diesen Kurs die Kriegsjahre hindurch zu behaupten.

Kanada, dessen Währung sich einige Jahre hindurch enger an das Pfund als an: den Dollar anschloß, hat jetzt also wieder die Konsequenzen daraus gezogen, daß es mit der Wirtschaft seines großen südlichen Nachbarn viel enger liiert ist als mit der des britischen Mutterlandes. Kanada gab mit der Verteuerung seiner Währung die erste internationale Antwort auf die Preissteigerungen in den USA. Der Preisstand Kanadas stieg seit Kriegsausbruch um 20 v. H., der der Vereinigten Staaten aber um 33 v. H. Der Einfuhrüberschuß Kanadas im Außenhandel mit den USA ist beträchtlich. Um so dringender war das Bedürfnis, die Importe aus den Staaten zu verbilligen.

Eine Aufwertung hat im allgemeinen unangenehme Rückwirkungen auf den Export des abwertenden Landes. Es verteuert seine Waren auf dem Weltmarkt und erschwert dadurch den Absatz. Daß Kanada solche Wirkungen nicht scheut, ist bezeichnend für die gegenwärtige Situation unserer Weltwirtschaft. Kanada, als einer der Hauptproduzenten für Nahrungsmittel – vor allem Weizen – und Rohstoffe, weiß, daß es vorläufig mit einem Warenhunger in der ganzen Welt rechnen kann. Dem Importüberschuß aus den USA stehen hohe Exportüberschüsse im Handel mit europäischen Staaten, vor allem Großbritannien, gegenüber. Das wird – schon dank der 1 1/4-Milliarden-Dollar-Anleihe Kanadas an England – trotz der Aufwertung auch in Zu-– kunft so bleiben. Kanada, das ist die allgemeine Meinung, kann es sich leisten, den Grundsatz „billig kaufen“ stärker zu berücksichtigen als den, billig zu verkaufen

Wichtiger als die Wirkungen für die kanadische Wirtschaft selbst ist die Bedeutung der Kanada-Abwertung für die Währung der USA. Die Aufwertung des Kanada-Dollars ist in Wahrheit eine Abwertung des USA-Dollars. Der Dollar, bisher die chronisch knappe Währung der Welt, hat viel von seinem Nimbus verloren (was den dringenden Kreditanträgen der verarmten europäischen Länder auf Dollaranleihen allerdings keinen Abbruch tut). Ein Run auf den ausgehöhlten Dollar der Vereinigten Staaten ist nicht ausgeschlossen. Schon jetzt sind Anzeichen dafür vorhanden, daß zahlreiche Länder ihre Dollarguthaben in Goldreserven umwandeln. Für den Zugang zu den Goldreserven des amerikanischen Schatzamts wird vor allem die „südliche Seitentür“ Mexiko benutzt, das in großem Umfang Gold gegen USA-Dollar abgibt.

Das kanadische Beispiel hat jetzt den ersten Nachfolger gefunden: Schweden hat gleichfalls seine Währung aufgewertet, und zwar noch stärker als Kanada, nämlich um etwa 14 v. H. Die ausländischen Wechselkurse in Schweden werden in Zukunft für einen USA-Dollar 3,60 Kronen und für ein Pfund Sterling 14,50 Kronen betragen. Auch in Schweden dient die Aufwertung in erster Linie der Preisregulierung im Innern. Für die Aufwertung war nicht die direkte Verbindung mit der Wirtschaft der Vereinigten Staaten entscheidend, wie in Kanada, sondern der allgemeine Anstieg der Welthandelspreise, von dem Schweden weniger erfaßt wurde als die meisten andern europäischen Staaten.

Es ist wahrscheinlich, daß das kanadische Beispiel noch andere Nachahmer finden wird. Möglich erscheint, daß die Schweiz und Argentinien, vielleicht auch Norwegen und Dänemark, dann auch das Pfund und schließlich die erst vor einigen Monaten abgewerteten Währungen Frankreichs und Italiens folgen werden. Daß die USA von sich aus ihre Währung abwerten werden, ist, nach amerikanischen Verlautbarungen, nicht zu erwarten. J. N.