Unter dem Schlagwort: „Weg mit der Preiskontrolle – und die Produktion wird schnell ansteigen“ hat die National Association of Manufacturers in den USA mit Einsatz von Millionen Dollars einen Werbefeldzug durchgeführt, dessen Erfolge nun in den Staaten eine kritische Situation geschaffen haben. Getreidepreise, die den gefährlichen, seit damals nie wieder erreichten Höchststand von 1920 streben, stark (aber in den einzelnen Staaten recht unterschiedlich) erhöhte Fleisch- und Butterpreise, Mietpreiserhöhungen, die bis zu 30 v. H. gehen, insgesamt ein Ansteigen des Großhandelsindex um 10 v. H. in 12 Tagen, obwohl die Textilpreise nicht, die Stahl- und Metallpreise nur wenig angezogen haben: das sind die Daten einer ersten Zwischenbilanz. Von einem Verbraucherstreik und von erheblichen Lohnforderungen wird gesprochen.

Inzwischen bemühen sich Senat und Verwaltung, das vom Kongreß aufgerissene Loch durch eine wenn auch nur partielle Wiederherstellung der Befugnisse der „Opa“, des Preisüberwachungsamtes, zu stopfen. Da die verschiedenartigsten Interessen auf dem Spiele stehen und weniger um ein grundsätzliches „ja“ oder „Nein“ zum Prinzip der Preisüberwachung (oder umgekehrt: zur „freien“ Unternehmerinitiative) gestritten wird, sondern vielmehr um den größeren oder geringeren Umfang des Preisstopps, sind die Dinge selbst für einen Kenner der Staaten schwer zu übersehen. Es kommt hinzu, daß die Fronten wieder einmal quer durch die Parteien laufen, und daß trotzdem wahltaktische Überlegungen eine hervorragende Rolle spielen: im November wird das Repräsentantenhaus gewählt und ein Drittel der Senatoren.

Außenwirtschaftlich ist vor allem wichtig, daß eine Preishausse die Basis des britischen Anleihekredits empfindlicheinengen würde, entsprechend der geringer werdenden Kaufkraft des Dollars, und daß die Lebensmittellieferungen der USA an die Hungergebiete der Welt aus demselben Grunde (und auch wegen der nun fortfallenden Verpflichtung, Getreide zum „Höchstpreis“ an den Staat abzuliefern) erheblich beschnitten werden müßten; ferner, daß steigende Preise für Viehprodukte das Getreide in die Futterkrippe wandern lassen würden, anstatt auf den-Tisch der Hungernden. Innenwirtschaftlich ist von Bedeutung, daß, wenn die Preiskontrolle endgültig fällt, dann auch die mit ihr verbundenen Agrarsubventionen fallen, bei denen es sich um 1,5 Milliarden Dollar zur Förderung insbesondere der Fleisch- und Milchproduktion handelt.

Wie erinnerlich, hat.sich die legislatorische Entwicklung so vollzogen, daß Truman sein Veto gegen die Beschlüsse der beiden Kammern eingelegt hat, wonach die „Opa“ zwar für ein weiteres Jahr bestehenbleiben sollte, das System der Preiskontrolle jedoch, durch Einfügung von Ausnahmebestimmungen. völlig.durchlöchert wurde. Infolge des Ablaufens des alten und des Nichtwirksamwerdens des neuen Gesetzes ist mit dem Monatsbeginn ein Vakuum eingetreten; das man jetzt durch Kompromißformeln auszufüllen bemüht ist. Noch gilt es als unwahrscheinlich, daß Truman einer Kompromißvorlage sie erhebliche Lockerungen im System der Preiskontrolle bringt. R.-T.