Die SPD fordert durch Dr. Schumacher eine radikale Bodenreform, wobei freilich die in der Sowjetzone durchgeführte Parzellierung abgelehnt wird. Einzelne Güter sollen auf genossenschaftlicher Basis bestehen bleiben, vor allem Saatgutwirtschaften und hochintensive Musterbetriebe. Im übrigen soll die Grenze für die Besitzabgabe so gezogen sein, daß der Bauer behält, was er mit seiner Familie (unter vorübergehender Heranziehung fremder Arbeitskräfte) bewirtschaften kann. Diese sehr dehnbare Formulierung, die jede Auslegungswillkür zuläßt, stellt wohl noch nicht das letzte Wort dar. Denn es erscheint nicht zweckmäßig, den intensiven bäuerlichen Betrieb, der viele fremde Arbeitskräfte beschäftigt, mit Landabgaben zu bestrafen, und den extensiven Betrieb davon frei zu lassen. Soll der Bauer, dessen Kinder noch nicht arbeitsfähig sind, schlechter gestellt werden als ein anderer, der genügend "familieneigene" Hilfskräfte nachweist?

Wesentlich einfacher ist die Stellungnahme der KPD. Sie geht vom Besitz und nicht vom Betrieb aus. Es wird die (entschädigungslose Enteignung des Besitzes über 400 Morgen gefordert. Unklar bleibt nach den vorliegenden Erklärungen, ob unterschiedslos jeder 400 Morgen übersteigende Besitz eingezogen werden soll, oder ob sich die Forderung nur gegen den Feudalbesitz, gegen Kriegsschuldige und Kriegsverbrecher, gegen Führer und Aktivisten der NSDAP richtet. Selbst wenn wir das erstere annehmen, werden in der gesamten britischen Zone auf dem so anfallenden Siedlungsland. wie hier schon dargelegt, nicht mehr als 20 000 bäuerliche Siedlungen (zur Standardgröße der 60-Morgen-Hufe) anzusehen sein. Denn aller "Adels"- und "Nazibesitz", der in Betriebsgrößen unter 400 Morgen liegt, ist praktisch nicht für neue Familien aufnahmefähig, da er ja bereits – zumeist verpachtet – in bäuerlichen Händen liegt. Auf den 1,66 Millionen Morgen, die an Großbetrieben in der britischen Zone insgesamt vorhanden sind, müssen bevorzugt zunächst jene Familien untergebracht werden, die heute schon – als Landarbeiter und Angestellte – dort sitzen. Die Zahl der "möglichen" 20 000 Stellen erhöht sich nochmals um die Hälfte, wenn man die Stelle auf durchschnittlich 40 Morgen bringt, eine Größe, die man nicht unterschreiten darf, um nicht lebensunfähige Kleinbauernstellen ohne genügende Anspannung zu schaffen, wo "das Pferd den Siedler auffrißt".

Das reicht nicht aus, um das Programm der Bodenreform zu erfüllen, bei der es gilt, "Hunderttausende von Flüchtlingen wieder seßhaft zu machen". Deshalb wird von anderer Seite, in Anlehnung an den in Hessen ("Großhessen") ausgearbeiteten – und dort von den Parteien gebilligten – Plan der Vorschlag gemacht, auch schon den großbäuerlichen Besitz zu einer progressiv zu steigernden Landabgabe heranzuziehen. Also etwa wie folgt:

Größenklasse in ha Abgabe in % von insges. ha landw. Nutzfläche Abgabe in ha

10-20 2 1 397 021 27 940

20-50 5 1 972 760 98 650

50-100 10 633 483 63 350