Hamburg? Handel und Schiffahrt befinden sich noch auf dem Tiefpunkt. Rein zahlenmäßig betrachtet istzwar das Verkehrsbild des Hamburger Hafens heute günstiger als in der Nachkriegszeit 1918/19 Seit der Kapitulation sind l7l5 Seeschiffe mit insgesamt 1,9 Mill. NRI in den Hamburger Hafen eingelaufen. Wenige Monate nach der Waffenruhe hatte der Seeverkehr in Hamburg etwa wieder ein Siebentel des Vorkriegsverkehrs erreicht, während er im Frühjahr 1919 noch kaum wieder angelaufen war. Während damals aber eine langsame Aufwärtsentwicklung, als Folge der Wiederaufnahme privatwirtschaftlicher Handelsbeziehungen mit dem Ausland, einsetzte, hat sich diesmal der Seeverkehr, im großen gesehen, auf dem Stand vom August des Vorjahres gehalten.

Die Rückführung von Kriegsgefangenen, die nicht immer gleichbleibenden Bedürfnisse der Besatzungsmacht, die wechselnden Lebensmittelzufuhren und Hilfslieferungen für die Bevölkerung der britischen Besatzungszone und für die Tschechoslowakei, Sendungen im Rahmen der Reparationsleistungen, Militärtransporte im engeren Sinne lassen die Monatsstatistiken voneinander abweichen, ohne daß jedoch von einer Aufwärtsentwicklung gesprochen werden könnte. Vorübergehend ließen Streiks in amerikanischen und englischen Häfen den Verkehr sinken, Streiks in holländischen Häfen den Verkehr steigen. Einen beachtlichen Schwung nach oben zeigt in letzter Zeit lediglich der ausgehende Seeverkehr, der die bislang recht ungünstige Tonnagebilanz von 8:1 auf nunmehr 3:1 gegenüber 2,5:1 der Vorkriegszeit verbesserte und damit eine günstigere Auslastung der ausländischen Seeschiffahrt ab Hamburg sicherte. Diese Steigerung des ausgehenden Verkehrs wurde durch einen erhöhten Umschlag überseeischer Lebensmittel und Rohstoffe nach den deutschen Küstengebieten, insbesondere nach dem Weser- und Emsgebiet, Bremen, Duisburg und der schleswig-holsteinischen Küste, größere Salztransporte nach Norwegen und Schweden, Nickelerzlieferungen nach Belgien und erhöhte Holz-, Maschinen-, Altmetall- und Rohbleiverschiffungen nach Großbritannien bedingt.

Führten vor dem Kriege mehr als die Hälfte der im Hamburger Hafen ein- und ausgehenden Schiffe die deutsche Flagge, so stellt die deutsche Schiffahrt heute wenig mehr als ein Zwanzigstel des hamburgischen Seeverkehrs. Es sind dies die uns für die Durchführung des Küstenverkehrs belassenen kleinen Einheiten. Der Küstenverkehr, der nach der Wiedereröffnung des Dortmund-Ems-Kanals eine Steigerung erfahren hat, verläuft ziemlich einseitig, indem er sich im wesentlichen auf die Verteilung der überseeischen Zufuhren in die Küstengebiete der britischen Besatzungszone beschränkt. Ein besserer Ausgleich durch Zuführung von Exportsendungen aus Nordwest-, und Westdeutschland im Wege des Seeumschlags über Hamburg wäre, für die Zukunft denkbar, zumal die Kapazität der hamburgischen Umschlags- und Lagereinrichtungen auch unter Berücksichtigung der Kriegszerstörungen und schwierigen Arbeitsmarktlage nicht ausgeschöpft ist.

Erstreckte sich Hamburgs Anziehungskraft ehemals in das Einzugsgebiet der Elbe, ihrer Nebenflüsse und anschließenden Kanäle, nach Süddeutschland und weit in den Donauraum, so endet heute das Hinterland des Hamburger Hafens mit den Grenzen der britischen Besatzungszone. Bremen ist durch seinen Einsatz als Nachschub- und Versorgungshafen für die amerikanisch besetzte Zone Deutschlands aus diesem Gebiet weitgehend ausgeschaltet, während die Rheinmündungshäfen, eines, nicht unerheblichen Anteil an dem ein- und ausgehenden Verkehr der britischen Zone haben. Transporte von oder nach den drei anderen Besatzungszonen Deutschlands wurden über Hamburg bisher nicht durchgeführt. Sobald die industriellen und wirtschaftlichen. Voraussetzungen wieder gegeben sind, wird sich der Hamburger Hafen zu seiner Existenzerhaltung um diese Transporte, vor allem aus dem

Sachsens Industriepläne

Von den 1870 Industriebetrieben, die durch den sächsischen Volksentscheid enteignet worden sind, sollen 600 bis 700, unter etwa 40 "Industrieverwaltungen" zusammengefaßt, als "landeseigene" Betriebe weitergeführt werden. Das sind größtenteils die Betriebe des Bergbaus, der Chemie, der Textilwirtschaft und der Papier- und Zelluloseherstellung; auch die Auto-Union und die Glaswerke des Siemens-Konzerns werden genannt.

Die restlichen – zumeist kleineren – Betriebe sollen an private Firmen, verkauft oder verpachtet werden, bevorzugt an Umsiedler und durch den Krieg und das Hitler-Regime geschädigte Personen. Über die Auswahl der Bewerber entscheiden Ausschüsse, in denen die Parteien, die Gewerkschaften und die Behörden vertreten sein sollen, Einzugsgebiet der Elbe, wieder bemühen müssen. Aus der Tschechoslowakei trafen im Juni dieses Jahres erstmalig beladene Kähne in Hamburg ein, nachdem bisher nur Leerkähne zur Abholung überseeischen Zufuhren angekommen Waren. Doch läßt sich auch der tschechoslowakische Güterverkehr über Hamburg vorläufig kaum mit dem tschechoslowakischen Transitverkehr der Vorkriegszeit vergleichen. Wie dieser früher vor allem von Triest und Gdingen stark konkurrenzierte Verkehr sich in Zukunft gestalten wird, läßt sich heute noch nicht absehen. In seinem Transitverkehr für Mittel- und Südosteuropa muß Hamburg gegenüber der Vorkriegszeit mit stärkeren Verlusten rechnen.