vom 11. Juli bis 17. Juli 1946

Die Außenministerkonferenz wurde Freitag abend abgeschlossen, ohne daß eine Einigung bezüglich Deutschlands erzielt worden ist, da die Vorschläge des amerikanischen und des britischen Außenministers durch Molotow abgelehnt wurden. Die deutsche Frage soll auf einer neuen Konferenz der Außenminister, die nach der Beendigung der UNO-Vollversammlung stattfinden wird, weiterbehandelt werden. Auch die Österreich betreffenden Probleme wurden nicht gelöst. Die stellvertretenden Außenminister sind jetzt mit den Entwürfen für die Friedensverträge mit den übrigen Feindstaaten beschäftigt, die der Friedenskonferenz am 29. Juli vorgelegt werden. Der Text des Entwurfes für den Friedensvertrag mit Italien sieht dessen Verzicht auf alle seine ehemaligen Kolonialgebiete vor. Die argentinische und die chilenische Regierung haben sich in entsprechenden Noten an die Großmächte für einen den nationalen Wünschen Italiens gerecht werdenden Friedensvertrag eingesetzt, da das Wohl Italiens für die ganze Welt, besonders für Südamerika, von Bedeutung sei. Ägypten hat einen Antrag gestellt, ebenfalls auf der Friedenskonferenz vertreten zu sein.

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Das polnische Volk hat die ihm von der Regierung im Volksentscheid vorgelegten drei Fragen, ob der Senat abgeschafft werden soll, ob es mit der Agrarreform und der Sozialisierung der Hauptindustrien einverstanden ist und ob die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze bestehen bleiben soll, mit großer Mehrheit mit Ja beantwortet. Die Wahlbeteiligung betrug 11,8 Millionen Stimmen bei 13 Millionen Stimmberechtigten. Auf die erste Frage entfielen 7,8 Millionen bejahende und 3,6 Millionen verneinende, auf die zweite 8,9 Millionen bejahende und 2.6 Millionen verneinende und auf die letzte 10,5 Millionen bejahende und und eine knappe Million verneinende Stimmen.

Das Gesetz über die amerikanische Anleihe an Großbritannien wurde am Montag von Präsident Truman unterzeichnet, nachdem es am Sonnabend vom Kongreß mit 219 gegen 155 Stimmen angenommen worden war.

Auf Grund der Erfahrungen, die seit dem Abwurf der Atombombe beim Bikini-Atoll am 1. Juli gesammelt wurden, fordert der Atombombenausschuß des amerikanischen Generalstabs die Neukonstruktion aller Kriegsschiffe.

In der neuen italienischen Regierung, die am Freitag bekanntgegeben wurde, hat de Gasperi außer dem Posten des Ministerpräsidenten auch den des Außenministers inne. Das Kabinett setzt sich aus sieben, christlichen Demokraten, vier Sozialisten; vier Kommunisten und zwei Republikanern zusammen.