Tie Bilder der englischen Könige hängen wieder in der schönen Göttinger Universitätsaula, tind als unter ihnen der erste Ton des testlichen Konzerts, das die diesjährigen Göttinger Händelfestspiele einleitete, erklang, begannen im gleichen Augenblick die Glocken des jacobikirchturms za läuten: Symbole genug für die glückliche Atmosphäre einer "überlebenden" Stadt, die ihr Leben fr iFVrfrphr fn l ftrmt < riWr r1 Je rriegsjähre in einen Dornrösdieiisehtar FersamcV" aus dem das Erwachen nicht grausam war. So hat auch die Göttinger Händelgesellschaft — eine der wenigen Kulturgesellschaften, die sich in alter Form durch die Hitler Zeit hindurchretten konnte — in diesem Jahre wieder die Festspiele durchführen können, mit großer Freude begrüßt von allen alten und neuen Freunden der Göttinger Händelbewegung, die im vorigen Jahre ein Vierteljahrhundert alt geworden ist. Die Festtage hatten ganz die alte Stimmung der hochsommerlichen "Händel Zeit", zumal die beiden früheren Leiter der Händelfestspiele wieder erschienen waren: Generalmusikdirektor Fritz Lehmana und Professor Hans Niedecken Gebhardt Seit der Uraufführung der "Parthenope" (1935) ist in Göttiogen ein entscheidend neuer Weg der Händel Opernaufführung eingeschlagen worden: der Weg- der strengen Originaltreue, Man hatte da zum, ersten Male versucht, das vielgeschmähte ,Anenbündel" der großen Händel Oper ungekürzt und ohne Veränderungen auf die Bühne zu bringen und hatte- zugleich in der Regie das Experiment einer stilgetreuen Aufführung der Händel Zeit gemacht, in der die Grundsätze einer illusionistisch durchdramatisierten Opernregie fallen gelassen wurden. Dem abgelösten Nebeneinander der großen Arien entspricht das abgelöste Nebeneinander der barocken "Affekt Psychologie", für die ja Handels Opern eine große Illustration sind. So verzichtete auch die Regie darauf, aus diesen "Aftekt Trägern" Charaktere im modernen Sinne und aus de gerüsthaften Libretto eine dramatische Handlung za machen (Sicherlich lägen im gleichen Prinzip der strengen Stihfeue übrigens auch Möglichkeiten, das Schauspiel des 17. Jahrhunderts wieder za erwecken.

1)Diese Grundsätze also hatte man auch bei der Ariadne" beibehalten, jener Oper, die 1733 als Konkurrensstück gegen die "Ariadne auf Naxos" des Italieners Porpora geschrieben wurde. Das schwere heroische Pathos ist hier durchsetzt und fa t ", "tonet vnn ri" r oick TfeÄifeiirStestetleiiwelse ?Äozärt l"vöräüsa i läßt. Auch die scharf pointierte Rhythmik stellt dieses Werk in die Nähe des Rokoko Ein neuer und überraschender Händel! Die Aufführung unter Fritz Lehmann war eine glanzvolle Leistung. Orchester und prachtvolle Solisten — Ilse Siekbach, Günther Baum, Irmgard Panly, Heinz Matthei, Richard Kapellman und Franz Notholi — gaben sich mit letzter Intensität aus. Dr. Grete Schüddekopf. 1linen