Heute gibt es deutsche Grenzen nicht nut m das Reichsgebiet herum, sondern mitten durch Deutschland hindurch, und alle diese Grenzen sind schwankend, umkämpft und von Tragik umgeben. In den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz wird von eine festen Grenzbegriff gesprochen, von den Reichsgrenzen des Jahres 1937, aber nicht in dem Sinne, daß nun dieses Reichsgebiet eine Einheit darstellen soll, sondern als Grundlage für die Beschlüsse, die diesen Begriff wieder sofort in Einzelteile auflösten. Immerhin blieb ein Begriff übrig, an den nun bestimmte Erwartungen geknüpft wurden, für den die Großen Drei die volle moralische y_"— """<, "" fikpi nsTimen.

Sie zogen Grenz tt Äreb, tpsfalaa4 die zunädist nur als Besatzungsgrenzen gedacht waren. Fast ein Jahr dauerten die Bestrebungen, diese Zonengrenzen wieder aufzuheben oder wenigstens in ihren wirtschaftlichen Auswirkungen z lockern Das Ergebnis ist für uns Deutsche äußerst traurig. Am 30. Juni dieses Jahres wurden die Grenzen endgültig gesperrt, und in Paris konnten sich die Außenminister der vier Besatzungsmächte nicht über die Wirtschaftliche Zusammenarbeit der Zonen einigen. Damit sind jedoch die deutschen Grenzprobleme nicht umrissen. Auch der Begriff der Grenze des Jahres 1937 ist in Gefahr, sich in ein Nichts aufzulösen.

In Essen hat sich der Vertreter der SED, Wilhelm Pieck, mit erfreulicher Klarheit und Schärfe gegen partikulanstische und separatistische Bestrebungen an at Ä?.

50!?" ? v"<><">"£>< E ßeB, aaSk<s&~SJy> ig- 4R eaiteaes, deutschen Volkes mit ganzem Herzen eintritt, solange sie nach Westen schaut. Die Grenzziehung im Osten hingegen erkannte er rückhaltlos an, obwohl selbst in den Ländern der Kriegsgegner Zweifel über ihre innere Berechtigung laut geworden sind. Man werde sich damit abfinden müssen, daß das Land östlich der Oder und Neiße für uns verloren sei, erklärte er als Führer der größten Partei der von den Sowjets besetzten Ostzone.

Noch andere Grenzen werden zurzeit in Deutschland neu gezogen. Es sind die Verwaltungsgrenzen innerhalb der einzelnen Besatzungszonen. Die Provinzen Rheinland und Westfalen sind zusammengelegt worden. Eine Zusammenfassung anderer Gebiete hat mit der Eingliederung von Lippe in die Provinz Hannover begonnen. Zunächst mag es so scheinen, als seien diese Verwaltungsgrenzen in einer Zeit so großer und weitreichender Entscheidungen der Reichs- und Zonengrenzen gleichgültig. Es geht jedoch um mehr als die Zuständigkeit des einen oder anderen Verwaltungskörpers. Nach dem Bevjn Pkn sollen die Grundlagen für ein neues, föderalistisches Deutschland gelegt werden. Aus den jetzt geschaffenen Verwaltungsgebieten sollen einmal Länder als Bausteine eines demokratischen, nicht zentralistisch verwalteten Deutschlands erwachsen.

In unserer Geschichte standen sich die beiden großen Gegensätze Länder und Reich gegenüber, und wir haben oft genug tinter den Folgen einer Überlieferung zu leiden gehabt, die, aus Zeiten politischer Not und innerer Zersplitterung stammend, den Weg zu einem freien und großen Deutschland verbaute.

Jetzt sollen "Länder" von Verwaltungsbeamten geschaffen werden; Keimzellen werden gelegt, in denen sich das neue demokratische Leben entfalten Tcann. Eine fast unlösbare Aufgabe, die unendlich viel Verständnis und Takt verlangt! In den beiden anderen Westzonen ist diese Aufgabe noch dadurch erschwert, daß geschichtliche Gebilde, wie Württemberg und Baden, durch die Zonengrenze durchschnitten werden, so daß Nordbaden mit Nordwürttemberg zu einer amerikanischen Einheit verschmolzen werden, während Südbaden und Südwürttemberg französische Besatzungszone bilden. Die verwaltungstedinische Grenzziehung schließt noch andere Fragen in sich. Die französische Besatzungsmacht hat dem Saarland eine Gebietsausweitung von 1000 Quadratkilometer auf Kosten des Rheinlandes zugebilligt. Sollen damit Entschließungen der Friedenskonferenz über deutsche Gebiete vorweggenommen werden? Wenn wir voö Grenzen sprechen, so denken wir nicht an die Striche auf der Landkarte. Vor unseren Augen stehen die Dörfer und Städte, die Fluren und Wälder, die durch die Grenze entweder von der Heimat losgerissen oder in die Gemeinschaft der Volksfamilie zurückgeführt werden. Wir können IHIS bei einer Grenzziehung nur denken, daß die Grundsätze durchgeführt werden, auf denen allein eine wahre Völkergemeinschaft auf Erden aufbauen kann, die Grundsätze, die in der Atlantikkonferenz den vier Freiheiten des Präsidenten Roosevelt und den Grundsätzen der Vereinten Nationen festgelegt worden sind. Auf moralischen Grundsätzen, nicht auf äußeren Machtverhältnissen müssen die Grenzen beruhen, die diesem fürchterlichsten Kriege aller Zeiten ein Ende setzen. Gelingt es nicht, diese Forderung zu beherzigen, dann ist der moralische Verlust sehr viel schwerer und unheilvoller, als alle äußeren politischen und wirtschaftlichen Nachteile, die der einen oder anderen Nation durch Nichterfüllung des einen oder anderen Wunsches erwachsen könnten.