Am 25 Jan 1534 erschien eine Gruppe junger Leute in Uniform der Heimwehr vor dem Bundeskaazlerpalai in Wien am Ballhausplatz erxwang sich der. Eintritt, überwältigte die Wache nd verhaftete den Bundeskanzler Engelbert DoilIS. Zur gleichen Zeit drang eine andere Gruppe Aufständischer in da Rundfunkhaus ein, bemächtigte sich des Sendeapparates und verkündete die Absetzung der Regierung Dolifuß.

Die schwelende Glut der nationalsozialistischen Hetze war zur offenen Flamme der Empörung emporgelodert Anderthalb fahre lang war das kleine Österreich einer Flut von Hetze, von versteckten und x offenen Angriffen, von wirtschaftlichen und finanziellen Schikanen ausgesetzt gewesen. Bis in die einzelnen Familien hinein war die Spaltung getrieben. Auf der einen Seite stand der große Gedanke, daß die gemeinsame deutsche Sprache, die Erinnerung an den gemeinsamen Kampf des ersten Weltkrieges und die große gewieinsame Vergangenheit Mes Römischen Reiches Deutscher Nation ein Band um die beiden Länder, Jas Deutsche Reich und Österreich, geschlungen hat das stärker sein müßte als alle Trennungsschranken, die durch dynastische Rücksichten, geschichtliche Zufälligkeiten und den Spruch der Pariser Vorortverträge aufgerichtet worden waren. Auf de i anderen Seite stand die klare Erkenntnis, daß es den Machthabern in Berlin nicht darauf ankam, ein freies, geeintes Deutschland aufzurichten, sondern daß ein Diktator versuchte, ein kleines, unabhängiges Volk tinter seine Herrschaft zu beugen Die Mittet, die er anwandte, waren rückdirslos Das AlperJand lebte zu einem großen Teit vom Fremdenverkehr der deutschen Sommerfrischlei Dieser Fremdenverkehr wurde von deutscher Seite auf das schärfste unterdrückt and an Paßvorschnften geknüpft, die den Fremdenstrom gänzlich abdrosseln sollten. Neue wirtschaftliche Schwierigkeiten für das vielgeprüfte kleine Österreich waren die Folge.

- Sdiwew wog die Tatsache, daß innerhalb Österreichs scharfe Gegensätze bestanden. Zwei Parteien standen sich damals, wie auch heute, gegenüber Die, Sozialdemokratische Partei und die Christlich Soziale Partei. Nur die Verbindung Beider konnte die Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs gegenüber dem Ansturm des unendlich viel größeren und politisch geschlossenen Deutschen Re>ches aushaken. Es war jedoch im Februar As Jahres t<5?4 zu einem schweren Aufstand der Arbeiterbewegung in Wien gekommen, bei der Artillerie eingesetzt werden mußte; Arbeiterviertel waren in Flamm aufgegangen und die Sozialdemokratie, deren Imker Flügel den Kommunisten sehr viel näher stand als etwa im. Deutschen Reich, war verboten worden. Dollfuß hatte eine Diktatur eingerichtet, die auf christlicher Basis stand, die aber auf einen großen Teil der sittlichen Werte, die zum Kampf gegen Hitler notwendig gewesen wären, verzichten mußte In dieser Lae glaubten die Nationalsozialisten, daß es genügen würde, den ejnen Mann Dollfuß zu beseitigen, um das ganze System zusammenbrechen zu lassen. Ein Gedanke, der am 2<X Mi 1944, also fast genau zehn Jahre später, in ähnlicher Weise maßgebend war! Daher glaubte die bewaffnete Schar, die m das flundeskanzlerpalais eingedrungen war, den Sieg in dei Hand zu haben. Rücksichtslos schnwii ipiand ließen ihn blutend auf dem Sofa liegen, ohne ihm ärztliche Hilfe zu gewähren, bis er unter schweren Schmerzen starb. Die Nachricht posaunten sie sofort durch den Rundfunk hinaus und erwarteten daß nun die Massen Wiens auf die Straßen strömten, um aus dem geglückten Handstreich ciie große Revolution zu gestalten. Nichts Derartiges geschah. Inzwischen hatten die Anhänger der Regierung, an der Spitze der Heimwehrführer Fürst Stariemberg, ihre Leute gesammelt, die Truppen waren mobilgemacht und umlagerten das Bundeskanzlerpalais. Eine Beschießung und ein Sturm mit i>lanker Waffe wurden zunächst zurückgestellt, da man nicht wußte, wer von der verhafteten Regierung noch am Leben sei und ob nicht beim Einsetzen aller Kampfmittel Dollfuß und seine Mitarbeiter gefährdet wären.

Auf dem Kampfplatz erschien der deutsche Gesandte Riedt, der völlig durch die Ereignisse überrascht war. Er wurde gebeten zu vermitteln und den Aufständischen den Befehl zur Übergabe zu geben. Riedt erklärte sich bereit, den Aufständischen, mit denen er jede Verbindung abstritt, nahezulegen, sich der bewaffneten Macht auszuliefern. schen nich (t hingerichtet wurden, um einen moralischen Drück auf sie auszuüben und es nicht bis zum Äußersten kommen zu lassen Sowohl der Innenminister wie der Heimwehrführer Fürst Starhemberg sicherten den Aufständischen im Falle einer Übergabe ihr Leben zu. Dieses Versprechen ist später nicht gehalten worden, weil die Empörimg über den ruchlosen Mord an Dollfuß zu groß war und weil das an sich verwirkte Leben den Aufständischen nur gewährt worden war, um dafür den Bundeskanzler vor dem Äußersten zu bewahren.

Wer stand hinter der Revolte? Was geschah damals in Deutschland? Wir müssen uns in die Gesamtlage des Jahres 1934 zurückversetzen. Der Nationalsozialismus macht eine ernste Krise durch. Der erste große Aufschwung des Jahres 1933 droht zu verebben. Er war aufgebaut auf einer rücksichtslosen Kreditausweitung, die jedoch, wie das bisher immer der Fall gewesen war, zu einer bedeutenden Verstärkung der Einfuhr führte, obwohl die Ausfuhr auf Grund der Nachfrage im Inland mit dieser Ausweitung nicht Schritt hielt. Die Folge war ein Zusammenschrumpfen der Geld- und Devisenbestände der Reichsbank, die bereits im April Mai Folgen annahm, daß die Wirtschaftler sich auszurechnen begannen, wann eine ähnliche Katastrophe eintreten müßte, wie im Juli des Jahrei 1931, als die deutschen Banken geschlossen werden mußten. Der Reichswirtschaftsminister Schmidt brach unter der Last der auf ihn gehäuften Verantwortung zukammen und wurde krank. Schacht hatte am 1 fuli die Leitung des Reichswirtschaftsministeriums übernommen, und zwar in einem Zustand, der dai völlige wirtschaftliche Chaos zu bedeuten schien. In der Partei selbst sahen weite Kreise die Schuld im Verbleib "reaktionärer Kreise" in maßgebenden öffentlichen Stellen. Zwar war Hugenberg unter den tobenden Beifall der Alten Garde bereits vor einem Jahr ausgebootet worden, aber sowohl Wehrmacht als Auswärtiges Amt und ReichswirtsehaftsBiinisteriiHT waren immer noch fast ausschließlich von Gegnern der Partei besetzt. Die von Radikal Links Truppen und Partei organisierte Hetze hatte im ganzen Land zu Zusammenstößen zwischen SA und Stahlhelm geführt, der Presse war nicht erlaubt, von den täglichen Morden an Stahihelmern and Reaktionären zu berichten. Das ganre Land gärte in revolutionärer Stimmung. Der Chef der Links Opposition war Ernst Rohm, der Stabschef der SA. Rohm hatte es verstanden, sich eine ihm persönlich ergebene, politisch zuverlässige Trappe zu schaffen, die er planmäßig mit Waffen ausrüstete und zu einem schnellen Schlag ausbildete. Das war die Österreichische Legion, die er in Niederfeayern zusammenzog and die aus all den Elementen der politischen Unterwelt Österreichs und den Idealisten gebildet wurde, die vom Regime Dollfuß ausgewiesen worden waren. Mit dieser Trappe gedachte Rohm den großen, siegreichen Krieg gegen das kleine, schwache Österreich zu führen und, von den Wellen des Sieges getragen, an äie Spitze der Macht zu gelangen. Zur Röhm Revolte ist es nicht mehr gekommen. Im entscheidenden Augenblick versagten einige Männer, auf- die er fest gerechnet hatte, und bevor er wirklich Zuschlägen konnte, verhaftete ihn Hitler and hefl ihn ohne Urteil erschießen. Aber die Wellen, die Rohm i Bewegung gesetzt hatte, rollten weifer.

Sein Vertrauensmann in Wien war der Landesgruppenleiter der Partei und Pressechef der Gesandtschaft, Habicht. Und Habicht, der inzwischen nach Deutschland geflüchtet war, hatte der Putsch vorbereitet und angesetzt in der Überzeugung, daß Hitler ihn nachträglich billigen würde. Zu sehr hatte dieser sich in die gesamten Putschvorbereitungen eingelassen, zuviel Geld und Versprechungen hatte er den Aufständischen gegeben, als daß diese mit der Möglichkeit rechneten, von ihrem Parteiführer in Stieb gelassen zu werden. Die Auffassung des Kreises um Rohm ging dahin, daß Hitler zwar ein guter Trommler, aber ein unfähiger Staatsmann sei, der sich zu nichts entschließen könne und sich in den Händen reaktionärer Mitarbeiter befände. Den großen revolutionären Schwung des Nationalsozialismus verkörpere die SA. Sie müsse handeln und Habicht handelte.

Am Morgen des 25 fuli rollten die Lastkraftwagen von der Donau südwärts auf die österreichische Grenze zu, Als die ersten Nachrichten dieses befremdlichen Vorgehens zum Wehrkreis München kam, rief der Kommandierende General Adam in Berlin an und erhielt sowohl vom Chef der Heeresleitung Fritsch wie vom Chef des Generalstabes Beck den Auftrag, diese Bewegung sofort, wenn notwendig mit Waffengewalt zu stoppen. Adam griff energisch durch, und keiner der mit Bewaffneten besetzten Wagen der Österreichischen Legion erreichte auch nur die Grenze. Damit waren die Aufständischen im Bundeskanzlerpalais des Rückhaltes ihrer Gesinnungsgenossen im Reich beraubt. Als kein Entsatz von außen nahte, nahmen sie die Aufforderung Riedts an und kapitulierten. Der Putsch war zu Ende.