"A fit der politischen Erneuerung Deutschlands ist JVJ sudi ein neuer deutscher Rundfunkim Entstehen, ler nicht parteipolitischen Doktrinen dient, sondern im freien Wettbewerb einzelner Gesellschaften arbeitet. Audi "Ausland" hören ist kein iVerbrechen mehr, sondern ein Mittel der Information und freier Meinungsbildung.

Vom frühen Nachmittag an sind deutschsprachige tlberseesendungen aus den USA vom Sender Neuyork im 16, 19- und 25 Meter Band zu hören. Einen umfassenden Nachrichtendienst gibt der britische Kurzwellen Rundfunk in deutscher Sprache im 31 , 4l- und 49 Meter Band. Um 6 Uhr, 7 Uhr, 9 Uhr, 12 Uhr, H Uhr, 17 Uhr, 18 Uhr, 2O Uhr, 22 Uhr und 24 Uhr sind diese Sendungen zu hören. Auch Radio Moskau verbreitet deutsche Nachrichten auf den gleichen Wellenbändern. Luxemburg verbreitet über seine starke Langwellenstation Sendungen für die deutschen Hörer auf 1293 Meter Der BBC EuropaSender gibt auf Langwelle 1796 Meter einen Kriegsgefangenendienst.

Unsere Karte gibt ein Bild vom augenblicklichen Stand der Zonensender. Sinnlose Befehle hatten noch in den letzten Wochen vor der Kapitulation manche technische Einrichtung deutscher Sender zerstört. Besonders die Wiederinbetriebnahme einiger Großsender ist dadurch sehr erschwert worden. Die Techniker haben sich inzwischen jedoch in vielen Fällen zu helfen gewußt und mit Unterstützung der Besatzungsbehörden die Strahlanlagen wieder in Betrieb setzen können. Aber noch heute gibt es manch schwieriges Problem des technischen Wiederaufbaues zu lösen.

Ein Mißstand ist der Gleichwellenbetrieb der mit je 100 Kilowatt arbeitenden Großsender Hamburg und Langenberg. Im Raum OsnabrückMünstec Bielefeld herrschen durch Interferenzen ler Weilen schlechte Empfangsbedingungen. Nur ein Frequeiizwechsel kann Abhilfe bringen. Hannover hat einen neuen 20 Kilowatt Sender erhalten, während der vierte Sender des Nordwestdeutschen Rundfunks, Flensburg, mit der alten 3 Kilowatt Station arbeitet. Der britische SoldatenSender BFN ((British Forces Network) hat seinen Standort in Norden Osterloog (Ostfriesland) und verbreitet seine Darbietungen über die frühere Langenberger Welle. Er st in Norddeutscliland mit großer Lautstärke zu hören. Der Sender Bremen steht unter amerikanischer Kontrolle und sendet täglich nur von 18 bis 22 Uhr Ein besonderes Kapitel ist die Versorgung der Funkfreunde mit Empfangsgeräten. Die Industrieanlagen Sind zum großen Teil zerschlagen oder stehen auf Reparationskonten. Unter großen Schwierigkeiten haben die Welke Telefunken, Lorenz, Siemens, Körting, Blaupunkt, Huth und Hagenuk wieder eine bescheidene Produktion anlaufen lassen. In der britischen Zone ist aber vorgesehen, noch vor Ablauf des Jahres einen Vierröhren Standardsuper in zwei Ausführungen (Wechselstrom und Allstrom) auf den Markt zu bringen. Es wird mit einer Serie von einer halben Million Stück gerechnet. Daneben werden von einzelnen Fabriken unter Verwendung von Restbeständen aus ehemaligem Wehrmachtsmaterial kleinere Empfängertypen hergestellt Die empfindliche Materialknappheit diktiert die beschränkte Stückzahl. Bei der zukünftigen Prodnktionsplanung muß die Herstellung eines zeiteatsprechenden Kleinempfängers im Vordergrund stehen. Im Gegensatz zum bisherigen deutschen Kleinempfänger (DKE) braucht dieses Gerät kein Ortsempfänger zu sein. Ohne großen Mehraufwand ließe sich ein solches Gerät durch einen Kurzwellenteil zu einem Fernempfänger gestalten. Es ist auch zu hoffen, daß man einmal an eine Reform auf dem Gebiet der RölirenhersteHung denkt. Es war schon immer unverständlich, warum wir bei der RölirenhersteHung eigene Wege ginget und die Produktion nicht den amerikanischen Nonnen anpaßten. Durch Sockelung und teilweise großen Raumbedarf war eine Verwendung unserer Röhrentypen in amerikanischen Geräten, die sieh nun einmal den Weltmarkt erobert haben, nicht möglich. Damit war der Export im großen Stile automatisch verriegelt.

Die Funkindustrie steht vor großen Schwierigkeiten, die nur im friedlichen Wettstreit gelöst werden können, ebenso wie auch all jene Probleme, die sich beim Versuch einstellen, den neuen deutschen Länderrundfunk zu internationaler Geltung auszubauen., Kurt Dohmstreich