In La Paz, der Hauptstadt von Bolivien, hat eine aufständische Masse unter Führung der Studenten den Staatspräsidenten Villaroel an einer Laterne aufgehängt. Eine Regierung, die aus jungen Offizieren des Heeres besteht, wurde umgebildet, als die Revolution niedergeschlagen werden konnte. Damit wird ein Prozeß fortgeführt, der am 20. Dezember 1943 begonnen hat, als eine Militärerhebung den verfassungsmäßigen Präsidenten zum Rücktritt zwang. Damals hieß das Schlagwort Kampf gegen das Großkapital, insbesondere gegen die Zinnbarone, Die Vereinigten Staaten von Nordamerika erklärten, daß die Revolution von den Madrthabern in Buenos Aires, also der Gruppe der Offiziere um den jetzigen Staatspräsidenten Perön, organisiert und durchgeführt worden sei. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Argentinien und den Achsenmächten war die Antwort, die Argentinien auf diesen schweren Vorwurf gab, um das geweckte Mißtrauen gegen den angeblich faschistischen Kurs m Buenos Aires zu entkräften. In La Paz mußte der eigentliche Kopf der Erhebung vom Dezember 1943, Paz Estensoro, sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Jetzt haben Linkskreise die Organisation der Revolution in Händen gehabt, nach den vorliegenden Berichten hat es sich dabei weniger um Arbeiter als um Studenten gehandelt. Es ist anzunehmen, daß nicht sosehr wirtschaftliche wie weltanschauliche Gründe für den neue Aufstand maßgebend waren. Durch ganz Südamerika geht eine Welle geistiger Unruhe. S;e braue;t sich nicht immer in Aufständen zu äußern, obwohl zur gleichen Zeit wie in Bolivien es auch in Venezuela den Versuch einer gewaltsamen Erhebung gegeben hat. Anhänger des früheren Staatspräsidenten Lopez Contreras haben t ersucht, die Abwesenheit 5es Staatspräsidenten Betancourt in Mexiko zu benutzen, um die Regierung zu stürzen. In Chile ist der Staatspräsident Juan Antonio Rios gestorben. Anhing September wird die Wahl seines Nachfolgers stattfinden und bis dahin werden die Parteien sich ganz cfem Wahlkampf hingeben. Worin liegt der tiefere Gruad der Unruhe? Südamerika ist aus diesem Kriege in sehr veränderter Form hervorgegangen. Die Verbindung der demokratischen mit den kommunistisches Kräften, die sich aus der weltpolitischen Verbindung der USA mit den Sowjets ergab, hat den sozialen Gedanken während des letzten Krieges sehr stark gefördert. Die Verbindung von Demokratie und Kommunismus ist jedoch nach dem Kriege umgewandelt worden. Neue Gedanken sind erschienen, deren Träger die Armeen geworden sind, Es wird nicht leicht sein, das Gleichgewicht wiederherzustellen, das nötig ist, um die großen aus dem Kriege geborenen Aufgaben zu erfüllen.

Es gilt, die Lücken im Produktionsapparat zu füllen, die durch die jahrelange Absperrung von <Jen großen Industrieländern entstehen mußten. Südamerika kommt finanziell gekräftigt, technisch geschwächt aus dem Kriege hervor. Wird eine kluge Politik es verstehen, die angesammelten Devisen zum Aufbau zu verwenden, oder werden innere Kämpfe und Zwietracht die sich öietertden Möglichkeiten verpassen lassen?