Aus den Vierlanden, der Hamburger Gemüse – kammer, wird berichtet, daß die Ernte der Freilandkulturen im Ertrag befriedigend ist, aber nicht über den Durchschnitt der letzten Jahre hinausgeht. Es fehlt besonders an Dünger, den jede Hochkultur in noch größerem Maße gebraucht als aller sonstiger, Pflanzenbau.

Ohne große Mengen an Dünger kann es keine Vollernten geben, denn das Gemüse entzieht dem Boden sehr viele Stoffe, die unbedingt ersetzt werden müssen, wenn nicht ein Mangel den Ertrag der Ernte drücken soll. Schon früher, vor 1914, konnte der Bedarf an Stalldünger, der damals in allererster Linie für Gemüsekulturen Verwendung fand, nicht in der hiesigen Gegend gedeckt werden. Sehr große Mengen wurden von weither –, zum Teil aus Ostfriesland mit Schiffen über die Nordsee –, herangebracht. Seitdem ist die Anbaufläche für Gemüse ungeheuer gewachsen; es sind viele Kleingärten hinzugekommen, die ebenfalls Dünger beansprachen, Die Möglichkeiten der Düngerbeschaffung sind anderseits viel geringer geworden; die Tierhaltung hat abgenommen; die hier gewonnenen Mengen an Dünger werden zumeist schon im eigenen Betrieb restlos verwendet, und ein Ersatz fehlt. Der käufliche Handelsdünger ist nur in ganz geringem Umfange zu haben und reicht selbst bei sparsamster Anwendung nur für einige Kulturen.

Nach genauen Erhebungen der letzten Zeit erzeugt die Großstadt Hamburg im Jahr rund 250 000 t Müll, der zu einem Teile bereits seit mehr als zwei Menschenaltern in unmittelbarer Nähe der Stadt als geschätzter Dünger und als Schutz gegen das Auftreten von Pflanzenschädlingen im Gemüsebau mit größtem Erfolge Verwendung findet Aus dem Müll läßt sich aber weiter; wie umfangreiche Versuche und Untersuchungen gezeigt haben, ein hochwertiger Kompost bereiten, der schon heute in großen Mengen von den Gemüsebauern verlangt wird.

Es fehlt die Möglichkeit der Aufbereitung größerer Massen, und da muß der Hebel angesetzt werden. Hier muß die Stadt mit allen Mitteln helfen, denn sie selber hat den Nutzen von der restlosen Erfassung dieser Stoffe. Es müssen also die heute leider noch fehlenden technischen Einrichtungen beschleunigt und vordringlich geschaffen werden.

Daneben liefern die Hamburger Siele große Mengen von landwirtschaftlich wertvollen Dungstoffen. Auch diese müssen für die Erzeugung gewonnen werden. Viel davon geht leider immer noch in die Elbe, wo es in schlimmstem Maße zur Verunreinigung des Flusses und seiner Ufer beiträgt. Seit mehr als 50 Jahren, geht der Kampf um diese Beseitigung der Hamburger Abwässer; die ungeheuren Mengen an Schlamm und Pflanzennährstoffen, die im Sielwasser enthalten sind – und das sind mehr als 10 000 t im Jahre –, sollten restlos gesammelt und zur Düngung von Pflanzenkulturen erhalten werden. Es muß also die ganze Menge, und nach den bereits vorliegenden Bauprojekten ist das auch möglich, von einem Abfließen in den Elbstrom bewahrt bleiben und unserer Ernährung dienen.

Nach der Viehzählung von 1937 hatte das Gebiet von Hamburg einen Rindviehbestand von rund 21 000 Stück: 10 Stück Rindvieh erzeugen im Jahre etwa 1200 dz Mist. Hier aber kann in den gesamten Abfallstoffen der Großstadt Hamburg eine Düngermenge gewonnen werden, die fast1 1/2 mal so groß ist und bei gleichen Nährstoffmengen ausreicht, um weite Gebiete der Gemüse erzeugenden Umgebung mit ausreichenden Mengen hochwertigen Düngers zu versorgen Die Folge, eine Steigerung der zur Stadt kommenden Gemüsemengen, hebt den Gesundheitszustand der ganzen Bevölkerung und hebt die Arbeitskraft und -leistung. Hier ist eine Aufgabe zu erfüllen, die höchste Bedeutung hat und daher von allen Seiten, vor allem von den Behörden, gefördert und zur vollen Auswirkung gebracht werden muß. Ha.