Die kürzlich von den russischen Besatzungsbehörden verfügte Beschlagnahme des ehemals "deutschen" Besitzes in Ostösterreich betrifft u. a. 64 Konzerne, die, nach der Darstellung österreichischer Wirtschaftskreise, zum großen Teil erst nach 1938 in deutsche Hände übergegangen sind.

So befand sich die Erdöl-Produktionsgesellschaft in Zistersdorf zu einer Hälfte in österreichischen, zur andern Hälfte, in Schweizer Händen, und auch an der Rohöl-Gewinnungs-AG (Zistersdorf) war bis zum Jahre 1938 deutsches Kapital nicht beteiligt. Die Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft. die in Zukunft von einer österreichisch-russischen Kommission geführt werden soll, befand sich seit dem fahre 1829 in österreichischem Besitz; seit 1935 war das Aktienkapital von 21,6 Mill Schiff ling zu 54 v H in österreichischen Händen und zu 46 v H. in den Händen eines italienischen Konzerns Die Österreichische Elin-AG gehörte am 13 März 1938 zu 43 v H. einem österreichischen, Syndikat; 12 V. H. waren in österreichischem Namensbesitz, 10 v H. befanden sich in englischem, weitere 8 v. H. in holländischem und der Rest in Streubesitz. Die Wiener Brückenbau-AG wurde vor dem Einmarsch der deutschen Truppen von österreichischem und holländischem Bankbesitz verwaltet; die Hanf-, Jute und Textilindustrie AG. war in der Hand österreichischer Kapitalisten, denen sich durch Beteiligung seinerzeit englische Kapitalgruppen, das Bankhaus Rothschild sowie – zu einem kleinen Teil – deutsche Gruppen anschlössen.

Auch bei der Ersten österreichischen Glanzstoff-Fabrik AG war der deutsche Aktienanteil geringer, als der holländische An der AEG-Umon (Wien), war nur zu 38 v H die Berliner AEG beteiligt, während sich die übrigen Aktien in österreichischen, tschechischen und schwedischen Händen, befanden. Auch von den 38 v. H der Berliner Aktien war ein Viertel im Besitz der amerikanischen General-Motors Während sich bei der Osram AG (Wien) tatsächlich die Aktienmajorität in deutschen Händen befand, waren die Unternehmen Hofherr und Schrantz. Ariadne Draht- und Kabelwerke AG, Brunner Glasfabrik. Götzendorfer Mechanische Weberei und Donau-Chemie, Liesing sämtlich in österreichischen Händen Nach 1938 sind allerdings alle diese Betriebe bis zu 100 v H von deutschen Konzernen aufgesogen worden –

Die Bemühungen des amerikanischen Oberbefehlshabers in Österreich Generals McClark, gehen jetzt dahin, eine neue Interpretation des Begriffes "deutscher Besitz, in Österreich" zu finden, um nur solche Unternehmen auf Reparationskonto zu setzen, die schon 1938 eindeutig in reichsdeutschen Händen waren. W. F. M.