Arnsberg, die Regierungshauptstadt Südwestfalens,stellte die "Erste deutsche Fachschau: Unser Wiederaufbau" zusammen Sie vermittelt zwei wichtige Erkenntnise; erstens: der Wiederaufbau mag wohl schwierig sein, aber ein unlösbares Problem ist er nicht. Das gilt vom Einzelobjekt, dem ausgebrannten Haus; wie vom Wiederaufbau einer ganzen Stadt. Allerdings wäre der Masseneinsatz von Maschinen und Baumaterial notwendig, und wann dieser möglich sein wird, kann heute noch nicht gesagt werden. Aber technisch nicht in bewältigende Aufgaben gibt es nicht. Der zweite Punkt ist: es wird heute noch zuviel experimentiert. Es fehlt an der zentralen Leitung, dem "Einsatz mit Schwerpunkt" und einer übergeordneten Lenkung; die Gefahr einer Zersplitterung besteht. So zeigt etwa die Ausstellung zahlreiche Maschinen für die Ziegelreinigung. Sie unterscheiden sich grundsätzlich nur in Kleinigkeiten – aber welche verschiedenartigen Konstruktionen! Warum nicht – je nach Gebrauchszweck – zwei oder drei Modelle? Oder: Die bekannten Zementhohlblöcke als Ersatz für Ziegelsteine, für deren Herstellungweder genügend Kohle noch ausreichend Ziegeleien zur Verfügung stehen. Dutzende von Ingenieuren haben sich mit der zweckmäßigsten Form des Hohlziegels auseinandergesetzt. Sollte man sich nicht auf wenige Typen einigen, diese aber möglichst reichlich herstellen?

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Am Anfang steht die Kohle, auch für den Wiederaufbau. Der Ruhrsiedlungsverband, in dessen Bezirk etwa 600 000 völlig zerstörte Häuser vorhanden sind; hat ausgerechnet, daß zum Wiederaufbau in seinem Gebiet 2 Millionen Tonnen Steinkohle notwendig sind. Das ist – vom heutigen Produktionsstand aus gesehen – sehr viel, bei normaler Förderung wenig, nämlich eine Wochenleistung.

Bevor jedoch aufgebaut und neu gebaut werden kann, müssen Schutt und Trümmer beseitigt werden. Auch hier gibt es kein "Unmöglich". So wird auf der Arnsberger Ausstellung der Großraumschrapper gezeigt, eine Maschine, die wie mit einer riesigen Hand in das Trümmerfeld hineinfaßt, um den Schutt dann über eine schiefe Ebene in die wartenden Loren oder auf Laufbänder zu befördern. Eine andere Maschine frißt sich in den Schutt hinein und wirft diesen halbkreisartig hinter sich in die Transportgefäße. Sehr zahlreich sind die Spielarten der Ziegelreinigungsmaschinen. Vom vollautomatischen bis zum einfachsten System sind Modelle ausgestellt. In welchem Umfang aus den Trümmern Ziegel, die sich noch zur Reinigung eignen, hervorgeholt werden können, zeigt die Stadt Bielefeld, die aus je 1000 Kubikmeter Schutt entweder rund 400 000 Ziegelsteine wiedergewann oder – unter Zementzusatz – 50 000 Hohlblocksteine herstellte. Für Deckenbalken aus Beton, als Ersatz für Holz- und Eisenträger, interessieren sich Konstrukteure wie Baufirmen sehr stark, wie die verschiedenen Modelle beweisen. Eine ähnliche, aber wohl notwendige Vielseitigkeit findet sich bei Dachstuhlkonstruktionen aus Profileisen oder Rohren. Überraschend ist die Geschwindigkeit, mit der diese in den Fabriken fertiggestellten Dachstühle auf die Häuser "gestülpt" werden können. Sie eignen sich für alle möglichen Dachformen und Bedachungsarten, vom Wellblech angefangen bis zum althergebrachten Dachziegel. Die erforderlichen Eisenmengen sind sehr gering. Für eine Fläche von 100 Quadratmeter braucht man nur 0.6 bis etwa 1 Tonne Eisen. Dem Walmdach wie dem horizontalen Flachdach läßt sich das "Eisendach" ebenso leicht wie stabil anpassen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das "Haus ohne Holz", das eine große westdeutsche Firma empfiehlt. Fenster, Türen und Treppen sind aus-Eisen, die Treppenstufen aus mehrfarbigem Dämmbeton. Eine andere Firma zeigt Modelle revidierter Stahlhäuser. Diese haben nur noch Träger aus Stahl, in die die Betonhohlblöcke hineingeschoben werden. Alle Einzelteile werden in der Fabrik hergestellt und an der Baustätte zu ein-, zwei- oder dreistöckigen Häusern zusammengebaut.

Auch die Innenausstattung des Häuser gibt manches Problem auf Ein Architekt geht von dem Gedanken aus, daß allein die Holzlage eine Rückkehr zum alten Möbelüberfluß verbietet Nicht große, holzverschlingende Möbel, sondern Wandschränke mit einem Minimalverbrauch von Holz sind wohl die Lösung. Eine Westfälische Möbelfirma wiederum erklärt. Möbel unter Ausnutzung von Zementschutt mit dünnen Holzfurnieren herstellen zu können Auch Stahlmöbel werden empfohlen, unter ihnen ein ausgezeichnetes, formschönes Küchenmodell

Aufschlußreich ist die Halle der Planungen Die Gute-Hoffnungs-Hütte in Oberhausen stellt den Plan der ersten festen Nachkriegsbrücke über den Rhein bei Köln aus, die aus geschweißtem Stahl bestehen soll. Flach wie ein Lineal liegt die Brücke über dem Strom; die weiteste Öffnung beträgt 184 Meter. Die westfälische Stadt Schwerte baute ihre zerstörte Ruhrbrücke aus Trägern, die sie einem unverwendbaren Bunker entnahm. Dortmund erklärt, in den Vordergrund des Altstadtwiederaufbaus einen großen Grundstücksaustausch stellen zu müssen, da 20 v. H. der Häuserfläche für eine Verbreiterung der zu engen Straßen beansprucht werden. Die nicht abgefundenen Grundstückseigentümer sollen in Baugenossenschaften zusammengeschlossen werden. Bielefeld faßt die erhaltenen Fassaden alter und bekannter Häuser zu einer Baugruppe um den Markt zusammen Bochum zeigt, wie die Stadt systematisch von der Räumung eines in Trümmern liegenden Wohnblocks zur Neugestaltung einfacher, aber luftiger Siedlungen kommen will Die Fehler einer vergangenen Baupolitik werden, dadurch ausgelöscht. Th Sch.