Die Verdoppelung der Ernten in Deutschland in den letzten 35 Jahren vor dem Kriege ist nach allgemein herrschender Ansicht zu 60 v. H. dem Handelsdünger zu danken. Ihn der Landwirtschaft in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen, ist das wichtigste Gebot der Stunde. Der Erlös von 4 t Kohle exportiert erbringt etwa 1 t kanadischen Weizen, die gleiche Menge Kohle aber auf Stickstoff verarbeitet liefert einen Mehrertrag von 16 t Getreide bei normalem Witterungsverlauf.

Die britische Zone wurde in der Vorkriegszeit düngerintensiv bewirtschaftet. Der Stickstoffverbrauch betrug 35 kg je ha 1938/39, während zum Beispiel Bayern und Württemberg nur 12 und 13 kg verbrauchten. Nur die Großbetriebe des Ostens wandten mehr auf: 50 bis 60 kg. Im Düngerjahr 1938/39 – ab 1. Mai rechnend – wurden in der britischen Zone an Reinnährstoffen verbraucht: Stickstoff 207 000 t N = 33 kg je ha Nutzfläche, Phosphorsäure 233 000 t T hoch 2 O hoch 3 = 37 kg je ha Nutzfläche, Kali 337 000 t K hoch 2 O = 54 kg je ha Nutzfläche.

Es gelangt während des Krieges, die Düngerproduktion, allen Schwierigkeiten und des Sprengstoffbedarfs zum Trotz, einigermaßen zu halten. Erst 1944/45 erfolgte ein empfindliches Absinken. Der Tiefstand der Erzeugung wurde nach Kriegsende 1945/46 erreicht. Zur Ernte 1946 wurden tatsächlich geliefert: Stickstoff 17 000 t N = 8 v.H. des Verbrauchs 1938/39, Phosphorsäure 28 000 t P hoch 2 O hoch 3 = 12 v.H. des Verbrauchs 1938/39, Kali 128 000 t K hoch 2 O = 38 v. H. des Verbrauchs 1938/39. Hierzu kommen noch gewisse Mengen, die unkontrolliert unmittelbar nach der Besetzung der Landwirtschaft zugeflossen sind. Sie werden auf 10 000 t N und 20 000 t P hoch 2 O hoch 3 geschätzt.

Diese völlig unzureichende Versorgung mit Nährstoffen muß die Erträge der Ernte 1946 trotz des günstigen Wetterverlaufs stark herabdrücken, um so mehr, als besonders die mittleren und leichteren Böden – und sie machen leider drei Viertel des deutschen Ackers aus – dann versagen, wenn sie bisher stark gedüngt wurden und nun der Zuschuß an Nährsalzen fehlt. Rechnet man wie üblich je kg N mit einem Mehrertrag von 16 kg Getreide, je kg P hoch 2 O hoch 3 mit 4 kg und je kg Kali mit 1 1/2 kg, so ergibt der Handelsdüngerausfall seit 1938/39 für die britische Zone eine Ernteminderung von theoretisch 3,7 Mill. t Getreidewert. Da der Düngeraufwand 1938/39 hoch war, mit steigenden Düngergaben die Mehrerträge aber sinken, darf mit einer tatsächlichen Ernteminderung von etwa 3 Mill. t gerechnet werden. (Im Erntejahr 1945/46 wurden rund 1 Mill. t Getreide eingeführt. 3 Millionen t reichen aus, die Rationen um 650 Kalorien zu erhöhen.)

Wie steht es nun mit der Düngerversorgung der Ernte 1947, vor allem mit dem weitaus wichtigsten, dem Stickstoff? Die in der britischen Zone vorhandenen Kapazitäten würden nach völliger Wiederherstellung an und für sich ausreichen, den Bedarf von etwa 200 000 t zu decken. Die Synthesewerke verfügen jedoch nicht über ausreichende Anlagen zur Verarbeitung des anfallenden Primärstickstoffs auf Düngesalze, Durch Wiederinbetriebnahme stillgelegter und Ausbau anderer Anlagen könnte dieser Mangel behoben werden. – Die Erzeugung von Kokereistickstoff ist von 90 000 t N auf 18 000 t abgesunken, und mit einer Erhöhung ist vorerst nicht zu rechnen. Das einzige in der britischen Zone befindliche Kalkstickstoffwerk mit einer Kapazität von 24 000 t stellt zurzeit Karbid für die Militärregierung her. – Unter der Voraussetzung, daß das Reparatur- und Ergänzungsprogramm durchgeführt wird, daß genügend Arbeitskräfte, Kohle und Hilfsstoffe vorhanden sind und daß keine Betriebsstörungen eintreten, kann im Düngerjahr 46/47 mit einer Erzeugung von 90 000 t N gerechnet werden. Eine Einfuhr von weiteren erheblichen Mengen Stickstoff ist nicht zu umgehen, und fünf- bis sechsmal preiswerter, als die direkte Einfuhr von Getreide. Der Stickstoff ist für die Überwindung unserer Ernährungsnot entscheidend. Gelänge es, die britische Zone mit wenigstens 160 000 t im neuen Düngerjahr zu versorgen, so wäre mit einer fühlbaren Besserung unserer Ernährung aus der Ernte 1947 zu rechnen.

Der Bedarf an Phosphorsäure wurde im Frieden etwa zu zwei Drittel durch Thomasmehl, zu einem Drittel durch Super- und Rhenania-Phosphat befriedigt. Die Erzeugungsstätten für Thomasmehl liegen fast ausschließlich in der britischen Zone. Er fällt bekanntlich bei der Stahlerzeugung an, vorausgesetzt, daß posphorreiche Erze (Minette, Schwedenerze) Verwandt werden. Bei der Verhüttung phosphorarmer deutscher Erze wird ein nicht unerheblicher Zuschuß an ausländischen Rohphosphaten gebraucht. Durch die Begrenzung der Stahlerzeugung auf 5,8 Mill. t würde die Thomasmehlgewinnung Von 400 000 t P hoch 2 O hoch 4 des Friedens auf etwa 120 000 t herabgedrückt. Im laufenden Jahr ist jedoch nur mit einer Erzeugung von 60 000 t zu rechnen.

Für 1945/46 war eine Einfuhr von 90 000 t Rohphosphat vorgesehen, die bereits zum großen Teil erfolgt ist. Für das neue Düngerjahr ist eine wesentlich höhere Einfuhr geplant, aus der eine Erzeugung von 80 000 t erwartet werden darf, falls genügend Kohle, Schwefelsäure usw. zur Verfügung stehen. Ein besonderes Problem sind die Säcke (Natron-Zellstoff). Unter Berücksichtigung aller Faktoren dürfte es gelingen, der Landwirtschaft 115 000 t P hoch 2 O hoch 4 zuzuführen. Die Versorgung der ’deutschen Böden mit Phosphorsäure war bereits in den letzten Kriegsjahren unzureichend, so daß sie an diesem Nährstoff verarmt sind, Daher ist es notwendig, weitere 135 000 t P hoch 2 O hoch 4 aus Luxemburg und Frankreich wie im Frieden einzuführen.